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Amelie Heß
Amelie Heß, SWR3; Foto: SWR3
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Nach dem Hackerangriff auf Politiker und Prominente hat Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) die zuständigen Behörden verteidigt. Ihnen wurde vorgeworfen, sie hätten nicht schnell genug reagiert. Der festgenommene und geständige 20-Jährige, der für den Angriff verantwortlich sein soll, ist inzwischen wieder auf freiem Fuß.

Seehofer, Münch und Schönbohm; Foto: dpa

Bundesinnenminister Horst Seehofer (r., CSU), BKA-Präsident Holger Münch (l.) und Arne Schönbohm, Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

dpa

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) verteidigte sich und die Behörden gegen den Vorwurf, sie seien zu lange untätig gewesen. Es sei seiner Ansicht nach „sehr rasch, sehr effizient und sehr gut rund um die Uhr gehandelt worden“, sagte er bei einer Pressekonferenz gemeinsam mit Holger Münch, BKA-Präsident, und Arne Schönbohm, Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Eine absolute Sicherheit könne es nicht geben. Er werde aber dafür sorgen, dass noch mehr zur Früherkennung von Datenkriminalität getan werde.

Seehofer kündigte an, ein neues Cyber-Abwehrzentrum nach dem Vorbild des bestehenden Terror-Abwehrzentrums entwickeln zu wollen. Bereits im ersten Halbjahr soll ein „IT-Sicherheitsgesetz 2.0“ entstehen. Darin soll auch ein Frühwarnsystem für Datenleaks enthalten sein, so Seehofer.  

Vollständiges Löschen kann eine Weile dauern

Das Löschen der ins Netz gestellten Daten werde allerdings noch dauern, vor allem weil nicht auszuschließen sei, dass Dritte das veröffentlichte Material weiter verbreitet haben, sagte Seehofer. Auf die Frage, ob auch Daten von ihm unter den gesicherten Dateien seien, sagte er, dass er bis jetzt nichts davon wissen. Aber das könne sich auch in den nächsten 15 Minuten ändern.

Große Datensätze sichergestellt

Die sichergestellte Datenanzahl ist groß: 8,3 Gigabyte an Dateien und Datensätzen sicherten die Behörden. Insgesamt seien 425 Personen der CDU/CSU von dem Leak betroffen. Bei der SPD seien es 318, bei der Linken 112, bei den Grünen 111 und bei der FDP 28. AfD-Politiker sind nach bisherigen Erkenntnissen nicht unter den Betroffenen.

Die Wohnung des Tatverdächtigen sei bereits am Sonntag durchsucht worden, teilte das BKA auf einer Pressekonferenz in Wiesbaden mit. Der verdächtige 20-jährige Deutsche sei am Sonntagabend zu dem Tatvorwurf befragt worden, habe sich umfassend geständig gezeigt und darüber hinaus weitere Hinweise zur Aufklärung geleistet. Mangels Haftgründen sei er aber am Montag wieder freigelassen worden.

Einzeltäter, der sich über Politiker geärgert hat

Darüber hinaus sei der 20-Jährige ein Einzeltäter, sagte Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk, der Sprecher der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main. Er habe sich über Politiker und ihre Äußerungen geärgert und deshalb die Daten ausgespäht und veröffentlicht. Dabei veröffentlichte er Telefonnummern, E-Mail-Adressen, Bilder, Chats und Kontodaten, die er aus öffentlichen und nicht-öffentlichen Quellen zusammentrug.

Neben dem Geständnis des 20-Jährigen konnten die Ermittler auch Datenträger und persönliche Back-Ups von ihm sicherstellen. Der Verdächtige habe angegeben, allein zu handeln, so Ungefuk weiter. Hinweise auf Mittäter gebe es derzeit nicht. Der Schüler hatte angegeben „aus Verärgerung über öffentliche Äußerungen der betroffenen Politiker, Journalisten und Personen des öffentlichen Lebens so gehandelt zu haben.“