Die Katalonien-Krise sorgt für immer neue Wendungen: Nun vermutet die spanische Regierung, dass sich Russland in den Konflikt einmischt.

Katalonien; Foto: dpa/picture-alliance

Unabhängigkeitsbefürworter schwenken die Flagge Kataloniens.

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Genauer gesagt: Russische Hacker und Wikileaks-Gründer Julian Assange. Der Verdacht: Sie stecken hinter einer Cyber-Kampagne und wollen angeblich die Regionalwahlen in Katalonien am 21. Dezember beeinflussen.

Gerade am Dienstag hatten US-Medien berichtet, wie Wikileaks versucht habe, den Wahlsieg von Donald Trump sicherzustellen – dem Verdacht vieler Sicherheitsexperten zufolge im Auftrag der russischen Regierung.

Für Aufregung sorgt in Katalonien ein Foto, das die spanische Zeitung El País veröffentlicht hat. Darauf zu sehen: ein bekannter katalanischer Unternehmer, der die Botschaft Ecuadors in London verlässt – das Domizil von Wikileaks-Gründer Julian Assange. Was steckt hinter einem möglichen Treffen der beiden, welche Verbindungen haben sie?

Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy fordert in einem Radiointerview Klarheit: „Eine der Personen, die wie kaum eine andere die Unabhängigkeit Kataloniens und Ex-Regierungschef Puigdemont unterstützt hat, trifft sich mit Herrn Assange – es ist nun sehr wichtig, dass diese Leute der Öffentlichkeit erklären, was sie miteinander zu tun haben und planen.“

Julian Assange; Foto: dpa/picture-alliance

Wikileaks-Gründer Julian Assange: unschuldiger Freiheitsfreund oder die Spinne im Netz der politischen Intrigen?

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Rajoy: „55 Prozent dieser Fake-Profile kommen aus Russland“

Kritiker sagen, es könnte Geld geflossen sein. Unterstützt der katalanische Unternehmer Assange dafür, dass er gegen den spanischen Staat Stimmung macht? Beide bestreiten das. Julian Assange hat mehr als eine halbe Million Follower bei Twitter, seine Tweets werden also beachtet. In den vergangenen Monaten hatte er mehrmals den spanischen Staat für seine Haltung gegenüber der Unabhängigkeitsbewegung kritisiert und die Separatisten unterstützt.

Die spanische Regierung geht inzwischen fest davon aus, dass sich ausländische Kräfte in den katalanischen Wahlkampf einmischen – über gefälschte Nutzerkonten in sozialen Netzwerken, wie sie auch im Zusammenhang mit Einmischungen Moskauer Stellen aus anderen Ländern bekannt sind.

Regierungschef Rajoy warnt: „Ich kann nicht definitiv sagen, dass die russische Regierung dahinter steckt. Was wir aber wissen: 55 Prozent dieser Fake-Profile kommen aus Russland, 30 Prozent aus Venezuela.“

Stimmungsmache über Roboter-Profile

Rückendeckung bekommt Rajoy von der George Washington University in den USA: Dort forscht der spanischen Medienwissenschaftler Javier Lesaca. Er stellt in einer Untersuchung fest, dass aus dem Umfeld des Kreml gezielt in Sozialen Netzwerken Stimmung gegen den spanischen Staat gemacht wurde – vor allem über Twitter.

Rund um das verbotene Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien am 1. Oktober hätten acht von zehn Posts zu dem Thema das Projekt der Separatisten unterstützt. Diese Propaganda laufe vor allem über automatisierte Profile, sagt Wissenschaftler Lesaca: „87 Prozent der Posts wurden nicht von Menschen versendet. Von den Profilen wurden oft mehr als 100 Posts am Tag verschickt – oft nur Re-Tweets, keine eigenen.“ Viele der Profile seien auch mit anderen gleichgeschaltet.

Technisch möglich machen das bestimmte Computer-Programme. So sorgten bereits im US-Wahlkampf Berichte über Cyber-Attacken von ausländischen Regierungen für Schlagzeilen – und die USA meinten auch, einen Schuldigen gefunden zu haben: Die russische Software-Firma Kaspersky. Einer ihrer Sprecher, Alfonso Ramírez, weist Vorwürfe der Einflussnahme zurück: „Wir haben nie einer Regierung bei einer Cyber-Attacke oder einer Spionage geholfen. Und das werden wir auch nie tun.“ 

Es bleibt also vorerst bei Vorwürfen der spanischen Regierung. Beweise liegen bisher nicht vor.