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Der Bundesgerichtshof stärkt die Rechte von Patienten bei Pfusch durch den Zahnarzt: Sie müssen keine Leistungen bezahlen, die so schlecht sind, dass auch eine Nachbehandlung nichts mehr retten kann.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat sich mit einem Fall aus Bremen beschäftigt: Die Frau hatte von ihrem Zahnarzt acht Implantate eingesetzt bekommen, die Behandlung wegen Komplikationen dann jedoch abgebrochen.

Das Oberlandesgericht Celle hatte zunächst entschieden, dass dem Arzt trotz der missglückten Behandlung knapp 17.000 Euro zustehen – weil die Patientin sich ja bei einem anderen Zahnarzt weiter behandeln lassen könnte. Das sieht der BGH anders: Im diesem konkreten Fall seien „gravierende Behandlungsfehler“ passiert.

Patientin hat „Wahl zwischen Pest und Cholera“

Zahnarzt; Foto: dpa
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Ein Sachverständiger im Prozess hat nämlich alle Implantate als unbrauchbar bezeichnet, weil sie nicht tief genug im Kieferknochen säßen und falsch positioniert seien. Für die Weiterbehandlung gebe es deshalb nur die Wahl zwischen „Pest und Cholera“: Bleiben die Implantate im Kiefer, muss die Frau auf Jahre mit einem erhöhten Entzündungsrisiko leben. Lässt sie sie entfernen, kann der Knochen so geschädigt werden, dass neue Implantate nicht mehr halten.

Der BGH sagt: Damit sind die Leistungen des Zahnarztes für die Frau „völlig wertlos“. Der Klägerin bleibe keine zumutbare Behandlungsvariante. Deshalb muss sie dafür auch nichts bezahlen.