Autor
Isabel Gebhardt
Isabel Gebhardt, SWR3; Foto: SWR3
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Zwei Tage nach der Brandkatastrophe öffnet der Krefelder Zoo wieder. Mehr als 30 Tiere waren in der Silvesternacht bei einem Feuer im Affenhaus gestorben. Ein Katastrophentourismus soll aber vermieden werden.

Unmittelbar nach dem Brand war der Zoo in Krefeld erst einmal geschlossen geblieben. Am Freitag – zwei Tage nach dem Feuer – können nun wieder Besucher kommen. Der Bereich um das Affenhaus soll allerdings abgeriegelt bleiben.

Ein junges Mädchen und ihre Mutter stehen vor Trauerkerzen vor dem Krefelder Zoo; Foto: picture alliance/Roland Weihrauch/dpa

Die Anteilnahme ist groß. Viele Menschen trauern um die verstorbenen Zootiere.

picture alliance/Roland Weihrauch/dpa

Am Donnerstagabend fand auf einem Parkplatz am Zoo eine Trauerveranstaltung statt. Laut Polizei kamen rund 1.000 Menschen. Die Veranstaltung sei „sehr friedlich“ verlaufen, hieß es.

Verdächtige melden sich bei Polizei

Den Ermittlungen zufolge hatte eine Himmelslaterne das verheerende Feuer verursacht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen eine 60-Jährige Krefelderin und ihre beiden erwachsenen Töchter wegen fahrlässiger Brandstiftung. Die drei Frauen hatten sich nach dem Brand selbst bei der Polizei gemeldet und erklärt, dass sie in der Silvesternacht fünf sogenannte Himmelslaternen hätten aufsteigen lassen.

Bei der Untersuchung des abgebrannten Affenhauses sei festgestellt worden, dass vermutlich eine der Himmelslaternen auf dem Dach des Affenhauses gelandet sei. Von dort habe sich das Feuer dann ausgebreitet, erklärte ein Sprecher der Krefelder Kripo.

Der Zoodirektor vor dem ausgebrannten Affenhaus im Krefelder Zoo – wahrscheinlich lösten Himmelslaternen das Feuer aus; Foto: picture allianceChristoph Reichweindpa

Der Direktor des Krefelder Zoos, Wolfgang Dreßen, steht vor dem völlig ausgebrannten Affenhaus. Mehr als 30 Tiere kamen darin um.

picture allianceChristoph Reichweindpa

Himmelslaternen als Brandursache

Schon kurz nach dem Brand in der Neujahrsnacht hatten Zeugen erzählt, dass sie chinesische Himmelslaternen in niedriger Höhe über dem Zoo gesehen hätten. Solche Himmelslaternen sind in fast allen deutschen Bundesländern verboten, weil sie schnell Brände auslösen können.

Wie finde ich heraus ob ich Sondergenehmigung für bestimmte Produkte brauche?; Foto: picture alliance/Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Audio Wie kann man herausfinden, welche Produkte eine Sondergenehmigung brauchen?

Dauer

Auch in Nordrhein-Westfalen gilt das Verbot, allerdings nur für das Steigenlassen. Verkauft werden solche Laternen noch im Einzelhandel und online.

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Große Trauer im Zoo und im Netz

Der Zoo wird von einer Welle an Beileidsbekundungen überrollt, auch im Ausland wurde über das Feuer berichtet. Auf seiner Facebook-Seite bedankt sich das Team und versucht, schon in die Zukunft zu schauen: Das Affenhaus werde wieder aufgebaut.

„Ich werde Massa und seine Freunde sehr, sehr vermissen. Ich hoffe, sie sind im Affenhimmel und sehr glücklich.“

Botschaft eines Jungen, die vor dem Zoo niedergelegt wurde

Es wurde durch das Feuer komplett zerstört – nur zwei der darin lebenden Tiere überlebten: Bally und Limbo heißen die beiden Schimpansen, die jetzt von Zootierärzten versorgt werden. Mehr als 30 andere Affen starben in den Flammen, darunter auch Gorilla „Massa“, der besonders vielen Besuchern ans Herz gewachsen war.

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Trotz der großen Beliebtheit wird es für die umgekommenen Menschenaffen keine Beerdigung geben. Da es sich bei ihnen nicht um Haustiere, sondern um Wildtiere handele, sei dies nicht erlaubt, erläuterte die Sprecherin. Die Tiere wurden dem Veterinäruntersuchungsamt übergeben. Für die Mitarbeiter des Zoos solle es aber eine Trauerfeier geben.

Die Tiere, die ums Leben gekommen sind, seien ein unersetzlicher Verlust – auch für die Erhaltungsprogramme, sagte der Direktor des Kölner Zoos, Theo Pagel dem Kölner Stadt-Anzeiger online. Er und sein Team hätten den Kollegen in Krefeld ihre Hilfe angeboten.

Eines der schwersten Zoo-Unglücke der vergangenen Jahrzehnte

Im Krefelder Affenhaus aus dem Jahr 1975 lebten Orang Utans, Schimpansen, Krallenaffen, Epauletten-Flughunden und Vögel sowie eine von zwei Gorilla-Gruppen. Der Bau im Gewächshaus-Stil hat etwa 2.000 Quadratmeter Grundfläche.

Bei einem Brand im Karlsruher Zoo im Jahr 2010 kamen 23 Tiere ums Leben – das Feuer zerstörte damals große Teile des Streichelgeheges.

2009 war in Siegen ein zehn Jahre alter Junge gestorben, weil ein Haus durch eine Himmelslaterne in Brand geraten war. Der Prozess gegen einen 23 Jahre alten Mann wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Brandstiftung wurde gegen Auflagen eingestellt. Damals waren die Lampions in Nordrhein-Westfalen noch nicht verboten.