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Die besetzten Wohnungen in Stuttgart-Heslach wurden geräumt. Dort hatten zwei Familien mehr als einen Monat gewohnt. Sie wollten damit gegen die hohen Mieten in der Stadt protestieren.

Ende April waren die Familien in die Wohnungen im Stuttgarter Stadtteil Heslach eingezogen. Am Montagmorgen wurde die betroffene Straße von der Polizei weiträumig abgesperrt. Die Beamten unterstützten die zuständige Gerichtsvollzieherin dann auch bei der eigentlichen Räumung. Bei einer der beiden Wohnungen öffnete ein Mann die Tür, dessen Idenität noch unklar ist. In der zweiten Wohnung war niemand mehr.

Polizisten bei der Räumung eines Hauses in Stuttgart; Foto: SWR

Die Polizei war bei der Räumung vor Ort.

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Die Räumung lief Beobachtern zufolge friedlich ab. Aus de Wohnungen wurden mehrere Kisten getragen.

Protest gegen Mieten und Leerstand

Laut dem Aktionsbündnis „Recht auf Wohnen“ standen die Wohnungen vor der Hausbesetzung ein halbes Jahr lang leer. Die Organisation unterstützte die Familien bei ihrer Protestaktion gegen Leerstand und hohe Mieten in Stuttgart. Bei den Hausbesetzern soll es sich um eine dreiköpfige Familie sowie eine Mutter mit ihrem neunjährigen Sohn handeln.

Die Familien wollten laut dem Aktionsbündnis dauerhaft in den Wohnungen bleiben. Das Landgericht Stuttgart hatte aber Anfang Mai entschieden, dass sie wieder ausziehen müssen. Damals wurde eine Zwangsräumung erlaubt.

Besitzer will renovieren und vermieten

Der Besitzer der Wohnungen, ein Investor aus England, hatte gegen die Hausbesetzer geklagt. Gegen den Vorwurf, die Wohnungen stünden leer, wehrte er sich. Der Investor gab an, dass er renovieren und dann vermieten will.

Ein Banner mit der Aufschrift „Besetzt! Leerstand beleben“ hängt an einem besetzten Haus im Stuttgarter Stadtteil Heslach; Foto: dpa/picture-alliance

Ein Banner mit der Aufschrift „Besetzt! Leerstand beleben“ hängt an dem besetzten Haus.

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Wo die Hausbesetzer untergekommen sind, ist nicht klar. Ein Stadtsprecher hatte angekündigt, dass man verpflichtet sei, eine Notunterkunft für sie bereitzustellen, damit niemand auf der Straße stünde. Das sei aber nur ein Provisorium – zum Beispiel ein Zimmer in einer Sammelunterkunft.

Wohnen in Stuttgart ist teuer

Der Ballungsraum Stuttgart gehört zu den teuersten Regionen in Deutschlands. Durchschnittlich muss man 18 Euro pro Quadratmeter zahlen. Für ganz Baden-Württemberg liegt der Durchschnitt bei rund 11 Euro, für Deutschland bei 9 Euro. Die Stadt Stuttgart schätzt, dass derzeit rund 3.000 Wohnungen leer stehen.

Autor
Isabel Gebhardt
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