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Kerstin Welter
Kerstin Welter; Foto: Kerstin Welter
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Ein kleines Mädchen schluchzt herzzerreißend, während ein US-Grenzschutzbeamter ihre Mutter durchsucht – diese Aufnahme des Fotografen John Moore wurde zum Welt-Pressefoto des Jahres gewählt.

Yanela Sanchez aus Honduras ist zwei Jahre alt, als ihre Mutter Sandra am 12. Juni 2018 an der Grenze zwischen Mexiko und den USA festgenommen wird. Der Fotograf John Moore von der Agentur Getty hat die Szene eingefangen und wurde dafür von der Jury in Amsterdam ausgezeichnet.

John Moore selbst teilte mit, sein Foto habe die Herzen vieler Menschen berührt, auch sein eigenes, weil es eine größere Geschichte menschlich gemacht habe. Mit dem Foto holte Moore auch den ersten Preis in der Kategorie für aktuelle Fotoberichterstattung.

Es vermittelt einem sofort so viel über die Story. Und gleichzeitig lässt es einen stark damit verbunden sein. Dieses Bild zeigt eine andere Art der Gewalt, die psychologisch ist.

Jury-Mitglied Alice Martins

Trumps Migrationspolitik auf einen Blick

Die Geschichte des Fotos ist eng mit der Migrationspolitik von US-Präsident Donald Trump verbunden. Seine Regierung ließ im vergangenen Jahr an der Grenze zu Mexiko unter anderem illegal eingereiste Familien trennen – die Verzweiflung der kleinen Yanela steht für die Verzweiflung vieler Eltern und Kinder. Das „Time“-Magazin hatte es auf die Titelseite gesetzt und damit eine Empörungswelle über die Trennungs-Praxis losgetreten. Yanelas Vater sagte zwar später der britischen Zeitung „Daily Mail“, dass seine Tochter und ihre Mutter nicht getrennt worden wären, sondern später gemeinsam in Gewahrsam genommen worden seien. Trotzdem stand „Time“ zur Verwendung des Fotos und argumentierte, es fange ein, wie viel in diesem Moment auf dem Spiel stehe.

Menschen und Krisen

Fast alle Nominierten für das Pressefoto des Jahres fangen Augenblicke ein, in denen politische Entscheidungen, Konflikte und Krisen individuelle Schicksale betreffen. Das sind die übrigen fünf Aufnahmen.

„Victims of an Alleged Gas Attack Receive Treatment in Eastern Ghouta“ von Mohammed Badra; Foto: Mohammed Badra

Ein Mann und ein Kind werden nach dem vermuteten Gasangriff in al-Shifunieh (Östliches Ghouta, Syrien) behandelt. (Titel: „Victims of an Alleged Gas Attack Receive Treatment in Eastern Ghouta“ , Fotograf: Mohammed Badra)

Mohammed Badra

Das Welt-Pressefoto wird seit 1955 vergeben, die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert. Insgesamt waren beim diesjährigen Wettbewerb 78.801 Beiträge von 4.738 Fotografen eingereicht worden