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Björn Widmann
Björn Widmann, SWR3; Foto: SWR3
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Auf der Internationalen Raumstation (ISS) startet bald ein Projekt, mit dem Forscher aus dem All Tiere auf der Erde beobachten wollen. Der Clou: Die Tiere sind dafür „online“. Der Start musste am Mittwoch aber kurzfristig verschoben werden.

Martin Wikelski; Foto: picture alliance/Christian Ziegler/MPI für Ornithologie/MaxCine/dpa

Erfinder des „Icarus“-Projekts: Martin Wikelski aus Radolfzell

picture alliance/Christian Ziegler/MPI für Ornithologie/MaxCine/dpa

Mit einem speziellen Computer auf der ISS wollen Wissenschaftler Daten sammeln, wie sich die Tiere auf der Erde verhalten. Eigentlich sollte es am Mittwoch endlich losgehen. Doch erneut musste der Start von „Icarus“ verschoben werden. Der Rechner sei zwar gestartet worden, doch dann habe es ein Problem mit der Belüftung des Geräts gegeben. Deswegen sei der Rechner wieder herunter gefahren worden, erklärte Projektleiter Martin Wikelski vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Konstanz. Wann der nächste Versuch starten soll, ist im Moment unklar.

Wikelski hat sich das Projekt vor 18 Jahren ausgedacht: „Im Prinzip ist das ein Teleskop, mit dem wir auf die Erde schauen, das dann wie ein Staubsauger über den Planeten zieht und die Daten hochsaugt“, sagte er dem SWR.

„Können Naturereignisse voraussagen“

Projekt "Icarus": Tierbeobachtung aus dem All; Foto: Max-Planck-Institut für Ornithologie

Nachrichten Projekt "Icarus": Tierbeobachtung aus dem All

Dauer

Tiere können vieles besser als Menschen: Hunde hören besser als wir. Elefanten riechen Wasser über kilometerweite Entfernungen und Ziegen werden unruhig, wenn ein Erdbeben bevorsteht. Und wir können dank „Icarus“ davon lernen. „Wir haben schon jetzt Sender auf Amseln oder auf Flughunden in Afrika“, sagt Forscher Wikelski, aber „um Erdbeben und Vulkanausbrüche vorherzusagen, brauchen wir noch mehr Tiere, noch mehr Daten“.

Tiere bekommen Sender angelegt

Gechipte Amsel; Foto: picture alliance/MPI für Ornithologie/MaxCine/dpa

Winzig klein und nur 5 Gramm schwer: Ein Sender für das „Icarus“-Projekt auf einer Amsel

picture alliance/MPI für Ornithologie/MaxCine/dpa

Um die Tiere vom All aus zu verfolgen, müssen Sender an ihnen befestigt werden. Die schicken dann verschiedene Daten zur ISS, wie zum Beispiel die Lufttemperatur, Luftfeutchtigkeit oder GPS-Daten. Einen Batteriewechsel müssen die Tiere aber nicht über sich ergehen lassen: „Die Sender arbeiten mit Solarpaneelen. Eigentlich sollten sie das ganze Leben eines Vogels halten“, sagt Wikelski.

In den nächsten Jahren sollen mehrere zehntausend Tiere mit einem Sender ausgestattet werden. Unter anderem wollen die Wissenschaftler so herausfinden, auf welchen Routen die Tiere wandern, unter welchen Bedingungen sie leben und wie sie am besten geschützt werden können.

Internationale Gemeinschaftsforschung

„Icarus“ steht für „International Cooperation für Animal Research Using Space“, also internationale Kooperation für Tierforschung aus dem Weltraum. Unter anderem sind die russische Weltraumbehörde Roskosmos und die DLR an dem Projekt beteiligt.

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