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Isabel Gebhardt
Isabel Gebhardt, SWR3; Foto: SWR3
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Die USA haben in der Nacht von Donnerstag auf Freitag den iranischen General Qassem Soleimani getötet. Experten sehen das als Wendepunkt im Konflikt zwischen den Ländern.

Qassem Soleimani galt als einer der ranghöchsten Generäle des Iran. Das US-Verteidigungsministerium teilte mit, dass er bei einem Raketenangriff nahe eines Flughafens von Bagdad getötet wurde. Das amerikanische Militär habe die Operation auf Anweisung von US-Präsident Donald Trump ausgeführt, um weitere Attacken auf amerikanische Kräfte in der Region zu verhindern.

Trump gab Anweisung zum Angriff

„Die Vereinigten Staaten werden weiterhin alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um unser Volk und unsere Interessen überall auf der Welt zu schützen“, erklärte das Pentagon weiter. Trump selbst hat sich zu dem Angriff nicht geäußert. Er twitterte lediglich das Bild einer US-Flagge – ohne Kommentar.

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Iran droht mit Vergeltung

Unterdessen hat die US-Regierung ihre Staatsbürger aufgefordert, den Irak sofort zu verlassen. Der Iran hat Vergeltung angekündigt. Der iranische Präsident Hassan Ruhani erklärte in einem Kondolenzschreiben: Zweifellos würden der Iran und andere unabhängige Staaten dieses schreckliche Verbrechen der USA rächen. Die Tötung des Generals bestärke den Iran in seinem Widerstand gegen die USA.

Und auch die deutsche Bundeswehr im Irak hat ihre Sicherheitsmaßnahmen verschärft: Das Hauptquartier der internationalen Militärkoalition gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) habe Einschränkungen für Bewegungen am Boden und in der Luft angeordnet, sagte ein Sprecher in Potsdam.

Qassem Soleimani: Der General wurde bei einem US-Raketenangriff getötet; Foto: Office of the Iranian Supreme Leader via AP

Qassem Soleimani auf einem Foto, das von einer offiziellen Webseite des Büros des Iranischen Obersten Führers zur Verfügung gestellt wurde.

Office of the Iranian Supreme Leader via AP

Qassem Soleimani – der iranische General

Soleimani war der prominenteste Vertreter und das bekannteste Gesicht des iranischen Militärs im Ausland. Er tauchte immer wieder im Irak und in Syrien auf und er galt dort als einer der Top-Strategen im Kampf gegen die Terrormiliz IS.

Im Iran selbst genoss der 62-Jährige den Ruf eines Vorzeigesoldaten – unter anderem auch, weil sein Tun für Sicherheit in seinem Land sorgte.

Westliche Regierungen haben Soleimani jedoch als Terrorist eingestuft. Kanadas früherer Außenminister John Baird nannte Soleimani im Jahr 2014 einen „Agenten des Terrors, der sich als Held verkleidet“.

Wendepunkt im Konflikt zwischen den USA und dem Iran

Die USA und der Iran sind seit langem in einen schweren Konflikt verwickelt. Die USA wollen den Iran mit Wirtschaftssanktionen unter Druck setzen, um das Land zu einem Kurswechsel in seiner Atompolitik zu zwingen. Außerdem beschuldigen die USA den Iran, Terrorismus zu fördern.

Experten werten den Angriff auf Soleimani als Wendepunkt beziehungsweise Tiefpunkt im Streit der beiden Länder. Eine rote Linie sei nun überschritten, hieß es. Welche Konsequenzen der Iran ziehen, wird ist noch unklar.

Ansteigende Verlaufskurve für den Suchbegriff „draft age“ bei Google; Foto: Screenshot Google Trends

In den USA wird seit der Meldung über den Raketenangriff in Bagdad vermehrt nach dem Begriff „draft age“ gesucht.

Screenshot Google Trends

Irans oberster Führer Ajatollah Khamenei schrieb in einem Beileidsschreiben, das im iranischen Staatsfernsehen zitiert wurde: „Soleimanis Weg wird auch ohne ihn weitergeführt, aber die Kriminellen erwartet eine schwere Rache.“ Der Tod Soleimanis werde den finalen Sieg des Islams gegen die Imperialisten nicht beeinträchtigen. Außenminister Mohammed Dschwad Sarif twitterte: „Die Ermordung General Soleimanis war extrem gefährlich und wird zu einer Eskalation der Krise führen.“

Amerikaner informieren sich über Einberufungsalter

Offensichtlich wächst nach der Attacke auf Soleimani die Angst vor einem Krieg zwischen den USA und dem Iran. In den USA stiegen in der Nacht die Google-Suchanfragen nach dem möglichen Einberufungsalter in die US-Armee. Außerdem wurde in diesem Zusammenhang nach dem Begriff „3. Weltkrieg“ gesucht.

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