Autor
Tim Stobbe
Tim Stobbe, SWR3; Foto: SWR3
Stand:

Chinas Bürger sollen mehr Kartoffeln essen. Das möchte zumindest die chinesische Regierung. Denn: Das Land hat einfach zu viele von den Knollen.

Kartoffeln auf dem Markt; Foto: dpa (Archiv)

Chinas Bürger sollen mehr Kartoffeln essen – denn es werden zu viele produziert.

dpa (Archiv)

In China boomt der Kartoffelanbau. Das hat nur nichts mit neuen Ernährungstrends oder vielen Chinesen zu tun, die plötzlich gerne Pommes und Reibekuchen essen. Die Hintergründe sind politisch, berichtet die Süddeutsche Zeitung.

Chinas Regierung will die Armut im Land bekämpfen. Denn auch wenn die Wirtschaft floriert und immer mehr Menschen ihr Stück vom Wohlstand abbekommen, so ist die Armut noch immer groß, vor allem auf dem Land. 30 Millionen Menschen im Westen des Landes leben von weniger als 80 Cent pro Tag.

Daher investiert die Regierung Millionen, lockt Firmen mit Steuervergünstigungen in schwächelnde Regionen und unterstützt vielerorts den Anbau von Kartoffeln, um die Bauern zu stärken. Auch weil die Knollen weniger Wasser brauchen als Reis und Weizen, denn Wasser ist in breiten Landstrichen des Landes knapp. Etwa im Kreis Meigu im Norden Chinas. Dort war der Anbauplan des Staates so erfolgreich, dass die Bauern nicht wissen wohin mit ihren Kartoffeln.

Kartoffeln sind verbreitet, aber nicht wie bei uns

Kartoffelfeld in China; Foto: dpa

Chinas Regierung subventioniert den Anbau von Kartoffeln, wie hier im Nordwesten des Landes.

dpa

Zwar sind die Knollen landesweit auf den Tellern zu finden – aber als Teil des Gemüses, nicht in großer Zahl als Sättigungsbeilage wie etwa in Deutschland. Daher wirbt die Regierung für die Kartoffel, preist den hohen Vitamin-C-Gehalt an und lässt Rezepte entwickeln.

Bislang mit mäßigem Erfolg: Denn Gewohnheiten ändern sich nur schwer, Essgewohnheiten umso schwerer. Staatsunternehmen und Unis sollen nun der Kartoffel zur ihr zustehenden Beliebtheit verhelfen. Betriebskantinen zwangen Mitarbeiter einfach zum Kartoffelessen, Unis stellten Speisepläne um.

Kartoffel-Festtage an der Uni

Mit teils kuriosen Auswirkungen: Im Westen Chinas kaufte eine Uni fünf Tonnen Kartoffeln. Die muss man erstmal loswerden, ehe sie faulen. Also rief sie die Kartoffel-Festtage aus. Dabei gab es in der Mensa – in China isst man für gewöhnlich drei mal täglich warm – drei mal täglich Kartoffeln: gekocht, als Pommes oder Püree. Anfangs sei die Euphorie groß gewesen, schreibt die SZ, besonders, weil das Kartoffelpüree so gut gewesen sein soll. Doch mit der Zeit verging den Studenten wohl die Lust an den Kartoffeln.

Autor
Tim Stobbe
Autor
SWR3