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Björn Widmann
Björn Widmann, SWR3; Foto: SWR3
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Endlich eine Spezies, bei der wir uns auf ihr Aussterben freuen können: Mit einem Milliardenbetrag will die Bundesregierung für besseren Handyempfang sorgen – und Funklöcher ausrotten.

Kein Empfang; Foto: picture alliance/Inga Kjer/dpa

In Deutschland gibt es noch 5.000 weiße Flecken auf der Karte, was den Mobilfunkempfang angeht

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Wir schreiben das Jahr 2019. Ganz Deutschland ist von Funkmasten besetzt. Ganz Deutschland? Nein! Es gibt tatsächlich immer noch etwa 5.000 weiße Flecken auf der Landkarte, in denen es keinen Handyempfang gibt. Das will die Bundesregierung jetzt angehen und alle Funklöcher stopfen.

Vor allem auf dem Land – etwa im nördlichen Rheinland-Pfalz – ist Handyempfang oftmals Glückssache. Die Bundesregierung stellt dafür über eine Milliarde Euro zur Verfügung. Mit dem Geld sollen Mobilfunkmasten in Gegenden gebaut werden, die die Mobilfunkanbieter aus wirtschaftlichen Gründen vernachlässigen. Konkret heißt das: Wenn die Mobilfunkanbieter bis 2024 eine Gegend nicht ans Handynetz angeschlossen haben, springt die Regierung ein.

Bundeskabinett trifft sich zu Digitalklausur

Gästehaus Meseberg; Foto: picture alliance/Bernd von Jutrczenka/dpa

Das Gästehaus der Bundesregierung im brandenburgischen Meseberg

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Am Sonntag hat das Bundeskabinett in seinem Gästehaus in Meseberg die Strategie für den Netzausbau beschlossen. Bei der Digitalklausur ging es neben dem Mobilfunk auch darum, wie eine digitale Verwaltung aufgebaut werden kann und wie eine europäische Daten-Infrastruktur als Alternative zu US-Internet-Diensten aussehen könnte.

Dass Funklöcher in der heutigen Zeit eigentlich schon ausgestorben sein sollten, ist auch bei den Politikern in Berlin mittlerweile angekommen: „Eine lückenlose Versorgung mit Mobilfunk ist überfällig. Trotz der Versorgungsauflagen und vertraglicher Verpflichtungen haben wir etwa 5.000 weiße Flecken, weil der Ausbau dort schlicht nicht wirtschaftlich, aber trotzdem notwendig ist“, sagte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CDU).

In fünf Jahren keine Funklöcher mehr?

Mobilfunkstandard 5G; Foto: picture alliance/Federico Gambarini/dpa

Wird der neue, schnelle Mobilfunkstandard: 5G

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Scheuers Staatssekretär Steffen Bilger (CDU) versprach viel Geld: „Wir stellen jetzt über das Sondervermögen Digitale Infrastruktur bis 2024 die benötigten 1,1 Milliarden Euro zur Verfügung“. Damit sollen so gut wie alle Funklöcher in Deutschland geschlossen werden, sagte Bilger der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten.

In das Sondervermögen sind die Milliardeneinnahmen aus der 5G-Mobilfunkauktion geflossen. Die Regierung will außerdem eine Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft gründen, um den Ausbau zu unterstützen und – wenn nötig – selbst Aufträge zu vergeben.

Regierung plant Pro-Mobilfunkmasten-Kampagne

Außerdem soll es eine groß angelegte Werbekampagne für den Bau neuer Mobilfunkmasten geben. „Alle wünschen sich eine leistungsstarke und flächendeckende Mobilfunkversorgung“, heißt es in der Strategie der Regierung. „Aber mitunter scheitert der Ausbau von Standorten für Mobilfunkmasten an Widerständen vor Ort.“

Klar: Mobilfunkmasten sind nicht gerade schön und viele Menschen haben auch Angst vor mehr Strahlung. Um den Menschen ihre Ängste zu nehmen, wolle man näher an den Mann: „Dabei sollen die technischen Eigenschaften, die Anwendungsfelder und die Möglichkeiten neuer Technik ebenso im Fokus stehen wie gesellschaftliche Auswirkungen und mögliche gesundheitliche Aspekte.“

Im Moment gibt es in Deutschland etwa 74.000 Mobilfunkmasten. Um die Funklöcher aber ein für alle mal zu stopfen, müssten Tausende neue Standorte erschlossen werden und bestehende aufgerüstet werden. Neue Standorte zu erschließen werde aber zunehmend schwieriger.

FDP kritisiert zu langsamen Ausbau

Der FDP geht das nicht schnell genug. Sie wirft der Bundesregierung vor, bei der Digitalisierung zu trödeln. „Sinnbildlich dafür steht der Mobilfunk. Union und SPD geben unser Land beim Mobilfunk der Lächerlichkeit preis“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Marco Buschmann.

Funklöcher gehören weiterhin zum Alltag, die Bundesregierung hat nicht viel mehr als eine Funkloch-App und eine Debatte über 5G an jeder Milchkanne vorzuweisen.

Marco Buschmann

Ein eindrucksvolles Beispiel für die Notwendigkeit des Ausbaus lieferte die Tagesschau am Tagungsort selbst: Bei einer Live-Übertragung brach die Verbindung zur Reporterin ab – wahrscheinlich wurde sie wegen des schlechten Empfangs unterbrochen.

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