Autor
Hans Liedtke
Hans Liedtke, SWR3; Foto: SWR3
Stand:

Erst warnte die Regierung Juden davor, jederzeit und überall in Deutschland die Kippa aufzusetzen. Jetzt ruft sie jeden Bürger auf, am Samstag als Zeichen der Solidarität Kippa zu tragen.

Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, appelliert an die Bürger, am kommenden Samstag Kippa zu tragen. Den Zeitungen der Funke Mediengruppe sagte Klein:

„Ich rufe alle Bürgerinnen und Bürger in Berlin und überall in Deutschland auf, am kommenden Samstag, wenn in Berlin beim Al-Quds-Tag wieder in unerträglicher Weise gegen Israel und gegen Juden gehetzt wird, Kippa zu tragen.“

Felix Klein, Antisemitismus-Beauftragter der Bundesregierung


Damit setze man ein wichtiges Zeichen der Solidarität für Juden und trete ein „für die uneingeschränkte Religionsfreiheit und gesellschaftliche Vielfalt“, so Klein. „Wenn Politik und Gesellschaft mit vereinten Kräften gegen Antisemitismus vorgehen, dann haben wir eine echte Chance, diesen Kampf zu gewinnen.“

Klein: Meine Aussage ist als Weckruf zu verstehen

Felix Klein, Antisemitismusbeautragter der Bundesregeriung; Foto: Imago

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, ruft Bürger zum Tragen der Kippa auf.

Imago

Klein hatte zuvor mit seiner Warnung vor dem Tragen der Kippa in Deutschland heftige Reaktionen ausgelöst. „Meine Aussage, ich könnte Juden nicht mehr jederzeit und an jedem Ort das Tragen der Kippa in Deutschland empfehlen, ist als Weckruf zu verstehen“, erklärte er.

Er habe diese Äußerung insbesondere vor dem Hintergrund der Statistik der politisch motivierten Straftaten 2018 getan, bei der ein starker Anstieg antisemitischer Delikte um fast 20 Prozent erfasst worden sei.

Sollten Juden in Deutschland Kippa tragen?; Foto: Imago

Nachrichten Sollten Juden in Deutschland Kippa tragen?

Dauer

Bundeskanzlerin Angela Merkel äußert sich besorgt

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte gegenüber dem amerikanischen Sender CNN, dass der Antisemitismus in Deutschland sie sorge. Es sei bedauerlich, dass es bis heute keine Synagoge, keine jüdische Kita, keine Schule für jüdische Kinder gebe, die nicht von der Polizei geschützt werden müsse.

Die Vereinten Nationen riefen dazu auf, der Judenfeindlichkeit entschlossen entgegen zu treten. Antisemitismus und Gewalt gegen Juden in Deutschland, Europa und den USA würden zunehmen, sagte eine Sprecherin des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte.

Zentralrat der Juden: Solidaritätsaktionen reichen nicht aus

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, erklärte zu Kleins Warnung vor dem Kippa-Tragen, dass er selbst auch seit Jahren davor abrate. Kindern und Jugendlichen sollten in manchen Großstädten „lieber eine Mütze über die Kippa ziehen“, sagte Schuster der Passauer Neuen Presse.

„Wenn auf das Problem jetzt von staatlicher Seite hingewiesen wird, wird die Lage hoffentlich so ernst genommen, wie sie ist.“ Solidaritätsaktionen wie „Berlin trägt Kippa“ seien laut Schuster sinnvoll, reichen aber nicht aus.