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Isabel Gebhardt
Isabel Gebhardt, SWR3; Foto: SWR3
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Weniger Stau in Städten, umweltfreundliche Fortbewegungsalternative zum Auto: Wenn über elektrische Tretroller gesprochen wird, fallen immer wieder diese Argumente. Dochauf deutschen Straßen sind die Roller noch verboten. Jetzt hat das Bundeskabinett Verkehrsregeln festgelegt.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheurer (CSU) möchte, dass man noch in diesem Frühjahr legal mit den elektrischen Tretrollern in Deutschland fahren darf. Das Bundeskabinett hat dazu jetzt eine erste Verordnung beschlossen.

Ein erster Schritt: Verkehrsregeln wurden festgelegt

Dabei geht es um Verkehrsregeln, die die Rollerfahrer beachten müssen. Modelle, die bis zu 20 Kilometer pro Stunde fahren, sollen demnach auf Radwegen erlaubt sein. Wenn diese fehlen, dürften die E-Scooter dem Beschluss nach auch auf der Straße fahren. Roller die langsamer fahren und nur bis zu 12 Kilometer pro Stunde schaffen, sind nach den derzeitigen Plänen dann auch auf Gehwegen erlaubt.

Man soll außerdem keinen Führerschein für die Roller benötigen. Je nach Geschwindigkeit dürften so schon Jugendliche ab 12 beziehungsweise 14 Jahren mit den E-Scootern fahren.

Das Tragen eines Helmes wird der Verordnung nach empfohlen – eine Helmpflicht ist aber nicht geplant. Roller müssten neben einer Versicherungsplakette außerdem zwei Bremsen, Blinker, Rückstrahler und eine Klingel haben, um verkehrstauglich zu sein.

Elektrischer Tretroller neben einem Fahrrad; Foto: picture alliance/Steffen Trumpf/dpa

In anderen Ländern gehören die elektrischen Tretroller längst zum Stadtbild – wie zum Beispiel hier in Kopenhagen.

picture alliance/Steffen Trumpf/dpa

In anderen Ländern bereits erlaubt

In anderen Ländern sind die elektrischen Tretroller bereits zugelassen. Damit das auch in Deutschland passiert, muss jetzt noch der Bundesrat zustimmen. Wann die Länderkammer sich mit dem Thema beschäftigt, ist aber noch unklar.

In den Rollern wird ein großes Potential für umweltfreundliche Mobilität gesehen. Sie könnten dazu beitragen, dass es weniger Staus gibt, weil zum Beispiel mehr Menschen mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren und den restlichen Weg dann mit den E-Scootern zurücklegen. Durch die elektrische Unterstützung kommt man dabei nicht ins Schwitzen und so unkompliziert am Ziel an. Die Akkus der Roller können zuhause an der Steckdose aufgeladen werden. Mit einer Akkuladung kann man derzeit rund 20 Kilometer zurücklegen.

Konfliktzone Tretroller?

Kritiker haben allerdings Sicherheitsbedenken. Sie sagen, dass Fußgänger durch die Roller auf den Gehwegen gefährdet werden könnten.

Und auch die Polizei äußert sich kritisch. „Wir befürchten eine weitere Zuspitzung der bereits seit längerem hitzigen Lage im innerstädtischen Straßenverkehr“, sagte Oliver Malchow, der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei. Jeden Tag erlebten Straßenverkehrsteilnehmer teils massive Aggressivität sowie rücksichtsloses und rüdes Verhalten. „Dabei können weder Autofahrer, Radfahrer noch Fußgänger ausgenommen werden. Mit E-Tretrollern wird nach unserer Auffassung eine neue Konfliktzone geschaffen.“ Die Polizei jedenfalls sehe sich außer Stande, nun auch noch den rollenden E-Verkehr auf den Bürgersteigen zu moderieren und zu kontrollieren, so Malchow.



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