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Heftige Regenfälle haben in Venedig für ein Hochwasser historischen Ausmaßes gesorgt. Ein Mensch starb. Am Donnerstag will Italien den Notstand ausrufen.

Das schlimmste scheint überstanden, doch Venedig ist noch nicht über den Berg. Die Unesco-Welterbestadt kämpft mit den Folgen des Hochwassers.

Salzwasser setzt sich in den Gebäuden fest. Am Mittwoch war ein Mensch ums Leben gekommen. Die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete, ein 78-jähriger Mann sei auf der südlich der Stadt gelegenen Insel durch einen elektrischen Schlag gestorben, den das Hochwasser eingeleitet hatte. Er habe gerade eine Entwässerungspumpe in seinem Haus ans Laufen bringen wollen.

Markusdom und Markusplatz unter Wasser

In der Stadt selbst stehen Plätze, Gebäude und Straßen unter Wasser. Auch der Eingangsbereich des berühmten Markusdoms ist überflutet, genauso wie der Markusplatz davor, auf dem sich sonst Menschen und Tauben tummeln. Die Rialto-Brücke führt zwar noch über den Kanal, endet aber in wadenhohem Wasser.

Mehr als 1,30 Meter Hochwasser auf dem Markusplatz

Bürgermeister Luigi Brugnaro sprach am Dienstagabend von einer Katastrophe. Am Mittwoch werde der Notstand ausgerufen, kündigte er an. Er machte den Klimawandel für die häufiger werdenden Überschwemmungen verantwortlich. „Wir rufen die Regierung auf, uns zu helfen. Die Kosten werden hoch sein.“

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Auch für Venedig sind die aktuellen Pegelstände ungewöhnlich hoch. Auf dem Markusplatz wurden am Dienstagabend mehr als 1,30 Meter Hochwasser gemessen, im Markusdom stand das Wasser über 70 Zentimeter hoch. In den rund 1.000 Jahren seit dem Bau der weltberühmten Kirche wurde nur fünfmal ein ähnlich hoher oder höherer Pegelstand gemessen.

Auch in mehreren Hotels rund um den Markusplatz steht das Wasser. Boote und Gondeln wurden von den Fluten mitgerissen.

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Nicht genügend für den Schutz vor Hochwasser getan?

Die Verantwortlichen des Markusdoms befürchten durch das Hochwasser Schäden am Bodenmosaik aber auch an den Wänden. Nach dem Austrocknen werde das Salz in feinsten Rissen bleiben und die Bausubstanz beschädigen. Italiens Kulturminister Dario Franceschini kündigte bereits finanzielle Unterstützung für die notwendigen Sanierungsarbeiten an.

Eine Frau watet durch Wasser unter einem Torbogen am Markusplatz in Venedig.; Foto: picture alliance/Luca Bruno/AP/dpa

Eine Frau watet durch Wasser unter einem Torbogen am Markusplatz.

picture alliance/Luca Bruno/AP/dpa

Der Prokurator des Markusdoms beklagt, dass die Arbeiten zum Schutz vorm Hochwasser in Venedig seit Jahren im Rückstand sind. Seit 2003 wird am M.O.S.E.-Projekt gearbeitet, einem Sperrwerk mit beweglichen Fluttoren. Nach diversen Baustopps, unter anderem durch Gerichtsentscheidungen, rechnen die Verantwortlichen im Moment damit, dass es erst im Jahr 2022 fertig wird.

Die Menschen vor Ort bewegen sich wegen des Hochwassers auch am Rande des Markusplatzes fast nur mit Gummistiefeln. Hotels der Stadt bieten ihren Gästen Plastiktüten an, die sie sich um Schuhe und Hosen wickeln können. Am späten Abend fuhr nur noch die Polizei in Booten über den Platz.

Der Markusplatz in Venedig steht unter Wasser; Foto: picture alliance/ComunicareVenezia/dpa

Wassermassen auf dem Markusplatz, wo sich sonst Menschen und Tauben tummeln.

picture alliance/ComunicareVenezia/dpa