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Nahrungsergänzungsmittel sind ein riesiges Geschäft – aber bei der Anmeldung werden die Mittel offenbar nicht richtig überprüft, selbst wenn Gift enthalten ist. Das berichtet Report Mainz.

Das Autorenteam hat für einen Beitrag in der Sendung am Dienstagabend getestet, wie einfach sie ein – erfundenes – Nahrungsergänzungsmittel bei den Behörden für den Verkauf anmelden konnten. Der Knackpunkt: in dem angeblichen neuen Mittel war Gift enthalten. Während des gesamten Experiments über knapp zwei Monate wurde das Mittel weder kontrolliert noch verboten.

Giftige Inhaltsstoffe lösen kein Verbot aus

Auf dem Etikett des erfundenen Mittels „Immuno Royal“ gaben die Reporter als Zutat einen giftigen Pflanzenstoff an: Datura-Extrakt, also Stechapfel. Nach Einschätzung des Pharmakologen Prof. Martin Smollich vom Institut für Ernährungsmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein gehört die Pflanze zu den giftigsten in Mitteleuropa: „Damit kann man potenziell auch Menschen umbringen.“

Report Mainz: So ungeprüft kommen Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt; Foto: SWR

So sahen die Mittel aus, die das Reporterteam offenbar ungeprüft für den Verkauf anmelden konnte.

SWR

Auch wenn das Nahrungsergänzungsmittel für den Test so echt wie möglich sein sollte: Verkauft und hergestellt haben die Reporter das gefährliche Produkt nicht, um niemanden zu gefährden.

Landkreise müssen neue Produkte eigentlich kontrollieren

Nahrungsergänzungsmittel müssen beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit registriert werden. Für die Überwachung sind dann die rund 400 Landkreise und kreisfreien Städte zuständig. Auf die Nachfrage von Report Mainz, warum die drei im Experiment betroffenen Städte das gefährliche Produkt nicht kontrolliert haben, erklärten diese, Nahrungsergänzungsmittel würden nur stichprobenartig kontrolliert. Für die Sicherheit der Produkte seien die Hersteller selbst verantwortlich.

Experten kritisieren das System

Für den Pharmakologen Prof. Martin Smollich zeigt das Experiment, dass die Überwachung in Deutschland nicht funktioniert. Eine Gesundheitsgefahr für Verbraucher durch Nahrungsergänzungsmittel könne deshalb aktuell gar nicht ausgeschlossen werden, so Smollich.

Tausende neue Nahrungsergänzungsmittel pro Jahr

In Deutschland kommen immer mehr neue Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt. Nach Angaben des zuständigen Bundesamtes wurden im vergangenen Jahr knapp 8000 neue Produkte registriert. Vier Jahre zuvor waren es noch halb so viele. Umfragen zufolge nimmt fast jeder dritte Deutsche solche Pillen, Pulver oder Kapseln. Für die Hersteller ein gutes Geschäft. Dabei sind sich Experten einig: Nur die wenigsten Konsumenten brauchen Nahrungsergänzungsmittel. Bei einer ausgewogenen Ernährung sind diese fast immer unnütz.