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Kira Urschinger
Kira Urschinger; Foto: SWR3 / Nadine Luft
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Man kann das Video mutig oder überzogen finden, das der Youtuber Rezo hochgeladen hat, um ordentlich gegen die Politik auszuteilen. Tatsache aber ist: Er äußerte Kritik an den Parteien in der heißen Phase vor der Europawahl und hat Millionen Views auf sein Video.

Youtuber Rezo teilt heftig aus, gegen die regierenden Parteien allgemein, vor allem aber gegen die CDU – wie der Titel seines am Samstag hochgeladenen Videos „Zerstörung der CDU“ bereits verspricht. Seine Thesen, sein Tonfall und überhaupt alles, was dieses Video betrifft, wird heiß diskutiert – gelobt, gehasst, belächelt. Wir haben im Faktencheck für euch geklärt, welche der Aussagen stichfest sind und wofür der Influencer inhaltlich kritisiert werden kann.

Ärger über fehlende Antwort der CDU

Seit der Veröffentlichung und den hochschnellenden Likes auf dem Kanal des Youtubers, der sonst eher für Comedy und Musik zuständig ist, warteten Viele auf eine Antwort der primär kritisierten CDU. Ein offizielles Antwort-Video war angekündigt, das aber bislang noch nicht erschienen ist. Einzelne Unionspolitiker hatten sich zwar geäußert, ein großangelegtes, gemeinsames Statement blieb aber aus. Bisher sei die Reaktion eher lau, fasste Berlin-Korrespondentin Evi Seibert zusammen. Das ärgerte auch einige User auf Twitter.

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Manche nahmen es mit Humor:

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Am Donnerstag meldeten mehrere Medien, die CDU habe es sich doch anders überlegt und würde nun kein Antwort-Video veröffentlichen. Und dann kam die Bestätigung der Entscheidung:

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Mehr als elf Millionen Aufrufe für Rezo, LeFloid legt nach

Unterstützung bekommt Rezo unterdessen von seinem Youtube-Kollegen LeFloid, der selbst bereits ein weiteres Video veröffentlicht hat, in dem er die Debatte um die „Zerstörung der CDU“ aufgreift.

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Auch andere Youtuber haben die Thematik aufgegriffen. Mai von Mailab hat als Wissenschaftlerin gemeinsam mit Eckart von Hirschhauen checkt:

Was ist dran an Rezos Fakten zum Klimawandel?

Europawahl: Video gucken, Kreuz überdenken?

Aber welchen Einfluss hat die politische Debatte im Netz auf die Europawahl? Jens Münster ist der Vorsitzende der Jungen Union in Rheinland-Pfalz. Er glaubt nicht, dass das Video die Wahlentscheidungen am Sonntag bei den Europa- und Kommunalwahlen beeinflusst: „Ich glaube, dass sich die allermeisten Menschen auch von so einem Video nicht beeinflussen lassen“, sagte Münster im SWR. „Wo es sicherlich Einfluss hat, ist bei den ganz jungen Wählern – bei den Erstwählern und bei denjenigen zwischen 12 und 17, die noch nicht wählen dürfen. Da gilt es einfach, in Zukunft auch beide Seiten darzustellen“, so Münster.

Youtube-Fans zu jung zum Wählen?

Das stimmt für die Europawahl, bei den ebenfalls am Wochenende anstehenden Kommunalwahlen trifft das nicht überall zu. Hier darf in einigen Bundesländern bereits ab 16 Jahren gewählt werden, beispielsweise in Baden-Württemberg. Menschen in dem genannten Alter – auch wenn es keine genauen Nachweise gibt, wie alt die Leute sind, die sich das Video angeschaut oder nun über die große mediale Aufmerksamkeit davon gehört haben – dürfen also durchaus an der Wahl teilnehmen.

Für manchen mag diese Alters-Argumentation insgesamt absurd wirken, da ja genau das auch Kernkritik des Youtube-Videos ist: Dass junge Menschen zu wenig gehört würden und zu wenige Möglichkeiten hätten, politisch mitzubestimmen. Und genau diesen Punkt haben wenige Betrachter kritisiert. Auch wenn es natürlich Kritikpunkte an Rezos Auftritt gibt.

Briefwahl bereits bei Vielen abgeschlossen?

Richtig aber ist: Einige Wähler werden ihre Stimmen bereits abgegeben haben. Briefwahl wird immer beliebter. Jens Münster sprach gegenüber dem SWR von einer Briefwahl-Quote bei der Europawahl von rund 50 Prozent. Diese Bürger hätten ihre Entscheidung ohnehin schon getroffen.

Mehr zu dem Interview mit Jens Münster gibt's bei SWR Aktuell

Junge Menschen künftig für Politik begeistert?

Der Journalist und netzpolitische Aktivist Markus Beckedahl sieht die Wirkung des Videos größer. Er hat auf Twitter von einem „der besten Politik-Videos, die die deutsche Youtube-Szene bisher hervorgebracht hat“, gesprochen. Im Interview mit dem Deutschlandfunk Kultur sagt er: „Wir haben es hier mit einem jungen, politisch aktivierten Menschen zu tun, der das Medium Youtube nutzt, um auszuprobieren, ob seine Meinung, seine Sprache auch in einer gesellschaftlichen Debatte gehört wird – was ja eigentlich der Idealfall wäre, wenn jeder die Möglichkeiten dazu hätte.“ Inhaltlich kritisiert er, dass bei einigen Zitaten von Rezo kein Kontext geliefert würde, insgesamt bewertet er das einstündige Video aber als durchdacht und gut recherchiert.

Sein Fazit: „Das ist ein 26-Jähriger, der anfängt, sich in die politische Debatte einzuschalten.“ Das kann Vorbild für andere junge Leute sein. Und selbst wenn jemand, der sich unter dem Video auf eine politische Debatte einlässt heute noch nicht wählen darf, dann kann er es sicher künftig.

Aufrüttel-Effekt, auch für die Europawahl?

Berlin-Korrespondent Alfred Schmit schätzt das Rezo-Video als Diskussionsbeitrag und sieht ebenfalls einen positiven Aspekt für das politische Interesse: „Der Aufrüttel-Effekt eines solchen Videos ist ebenfalls gut. Der Endspurt im Europa-Wahlkampf bekommt nochmal einen Schub.“ Das jedenfalls wäre sicher für alle wünschenswert – schließlich leidet die Europawahl traditionell eher an einer zu geringen Wahlbeteiligung. Wie die Bundeszentrale für politische Bildung aufschlüsselt, waren 2014 gerade mal rund 43% der potentiellen Wähler an der Urne.

Mehr Online-Präsenz als Konsequenz?

Und auch CDU-Generalsekretär Ziemiak räumte am Donnerstag in den RND-Zeitungen eine Schwäche seiner Partei beim Erreichen junger Menschen im Internet ein. „Wir müssen online präsenter sein – wir müssen das Internet noch mehr nutzen, um komplexe Fragen verständlicher darzustellen.“ Das könnte, so es umgesetzt wird, für Viele bereits einen Gewinn durch das Youtube-Video bedeuten.

Eines jedenfalls wird unter den Kommentaren des Videos von Rezo auch deutlich: Es sind nicht ausschließlich die ganz jungen Menschen, die das Video sehen und dessen Einfluss spüren. Eine Nutzerin schreibt: „Danke, danke danke! Sagt eine 44jährige Olle, für die Du die Hoffnung Deiner Generation bist.“

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Kira Urschinger
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