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Kerstin Welter
Kerstin Welter; Foto: Kerstin Welter
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Ryanair-Boss Michael O'Leary ist nicht dafür bekannt, dass er seine Meinung zurückhält. Aktuell poltert er: Muslimische Männer sollten an Flughäfen generell stärker kontrolliert werden.

In einem Interview mit der britischen „Times“ bemühte sich O'Leary gar nicht erst, diplomatisch zu sein. Er sprach sich klar für das sogenannte Profiling aus – dabei werden Menschen nach ihrem Aussehen und auf der Grundlage von Stereotypen als verdächtig eingestuft und überprüft.

„Wer sind die Bombenattentäter? Es werden alleinreisende Single-Männer sein“, sagte O'Leary und meint damit muslimische Männer.

Ryanair-Chef Michael O'Leary: Muslimische Männer sollten strenger kontrolliert werden; Foto: imago images / Hans Lucas

Der Chef der irischen Billigfluglinie Ryanair, Michael O'Leary, sorgt mit provokanten Aussagen immer wieder für Aufregung.

imago images / Hans Lucas

Rassismus-Verdacht ist O'Leary offenbar egal

„Man kann ja nichts sagen, weil das als rassistisch gilt, aber es werden generell Männer muslimischen Glaubens sein.“

Von ihnen werde die Gefahr ausgehen, sagte O'Leary. Vor 30 Jahren seien es noch die Iren gewesen, heute müsse man sich eben mit der neuen Bedrohung auseinandersetzen.

Eine weitere Profiling-Kategorie war für den 58-Jährigen, mit wem die verdächtige Zielgruppe unterwegs sei. Denn in Begleitung ihrer Familie seien muslimische Männer grundsätzlich keine Gefahr. Das Risiko, dass sie sich mitsamt ihrer Kinder in die Luft sprengen würden, sei „verfickt nochmal Null“.

In den sozialen Netzwerken brach nach der Veröffentlichung des Interviews ein Sturm der Entrüstung los. Insbesondere muslimische User riefen zu einem Boykott von Ryanair auf.

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Sofort scharfe Kritik am Ryanair-Boss

Der Rat der Muslime in Großbritannien bezeichnete die Äußerungen als „rassistisch und diskriminierend“. Es sei eine Schande, dass der Chef einer Fluggesellschaft Islamfeindlichkeit so offen und schamlos ausspreche und damit seine eigenen Kunden diskriminiere. Nach Ansicht der Organisation „Tell Mama“, die islamfeindliche Vorfälle registriert und Opfern hilft, könnte O'Leary mit solchen Worten sein eigenes Geschäft schädigen.


Auch der britische Labour-Abgeordnete Khalid Mahmood verurteilte die Vorschläge und verwies auf das Blutbad in Hanau durch einen Deutschen. Auch in Netz-Kommentaren wurde darauf Bezug genommen: „Solche Worte sind die wahren Kugeln von Terroristen“.

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Profiling auch in Deutschland umstritten

Die Kölner Polizei wurde im vergangenen Jahr mit dem Vorwurf konfrontiert, mit dem Grundgesetz nicht vereinbares „rassistisches Profiling“ zu betreiben, nachdem sie mehrere junge Muslime gestoppt und durchsucht hatte. Diese waren irrtümlich unter Terrorverdacht geraten, als sie zum Ende des Ramadans mit langen Gewändern in den Kölner Hauptbahnhof gelaufen waren und nach Zeugenaussagen „Allahu Akbar“ gerufen hatten.

Firmenboss schimpft und polarisiert immer wieder

Michael O'Leary ist für Provokationen und knallhartes Geschäftsgebaren bekannt. Er beschimpfte unter anderem Aufsichtsbehörden und wies Rückzahlungsforderungen von Flugpassagieren harsch zurück: “Wir wollen Eure Heulereien nicht hören“. Übergewichtige Passagiere von Ryanair bezeichnete er als „Monster“, die gegebenenfalls einfach zwei Sitze kaufen müssten.