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Amelie Heß
Amelie Heß, SWR3; Foto: SWR3
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Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International berichtet, dass auf der tansanischen Insel Sansibar zehn schwule Männer festgenommen wurden. Sie sollen eine gleichgeschlechtliche Hochzeit gefeiert haben.

Tipp aus der Bevölkerung

Auf der Urlaubsinsel Sansibar, die zu Tansania gehört, hat die Polizei nach Angaben von Amnesty International zehn Männer festgenommen. Den Männern wird vorgeworfen, in der Nacht zu Sonntag eine gleichgeschlechtliche Hochzeit gefeiert zu haben. Bei Eintreffen der Polizei im Strandort Pongwe hätten die Männer jeweils zu zweit zusammengesessen.

Den Tipp habe die Polizei aus der Bevölkerung bekommen. Einige Menschen hätten vor der Festnahme fliehen können, so Amnesty.

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„Schockierende Festnahmen“

Die „schockierenden“ Festnahmen zeigten, dass Tansania Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolge, erklärte der stellvertretende Ostafrika-Direktor von Amnesty, Seif Magango. Amnesty befürchtet, dass die festgenommenen Männer einer erniedrigenden Anal-Untersuchung unterzogen werden, die angeblich der Überprüfung der Homosexualität bei Männern dienen soll.

Amnesty fordert die sofortige Freilassung der Männer. Die tansanische Regierung habe versichert, dass niemand wegen seiner sexuellen Orientierung verfolgt werde, sagte Magango.

Bis zu 30 Jahre Haft

Homosexualität ist, wie in vielen anderen afrikanischen Ländern auch, in Tansania verboten. Bei einer Verurteilung drohen bis zu 30 Jahre Haft. Erst in der vergangenen Woche hatte der Gouverneur der Wirtschaftsmetropole Daressalam gesagt, dass er eine Liste mit homosexuellen Menschen erstellt habe. Außerdem sollte eine Spezialeinheit zur Verfolgung von Homosexuellen gegründet werden. Zudem forderte der Gouverneur die Einwohner in den Medien auf, homosexuelle Mitbürger zu denunzieren.

Nach internationaler Kritik hatte sich die Regierung unter dem Präsidenten John Magufuli von dem Vorhaben aber distanziert. Die Europäische Union bedauerte die „Verschlechterung der Menschenrechtssituation“ und rief ihren Botschafter zu Konsultationen nach Brüssel, um die Beziehungen neu zu bewerten.


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Amelie Heß
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SWR3