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Tim Stobbe
Tim Stobbe, SWR3; Foto: SWR3
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Immer mehr Erwerbstätige haben Probleme mit dem nächtlichen Schlaf - in Rheinland-Pfalz sogar mehr als in den meisten anderen Bundesländern. Die Gründe dafür sind vielfältig.

In kaum einem anderen Bundesland leiden mehr Beschäftigte unter krankhaften Schlafstörungen als in Rheinland-Pfalz. Das zeigt der neue Gesundheitsreport der Barmer, für den die Krankenkasse die Daten von rund 180.000 Versicherten ausgewertet hat.

4,2 Prozent der erwerbstätigen Rheinland-Pfälzer waren im Jahr 2017 von ernsten Schlafproblemen wie Ein- und Durchschlafstörungen, Albträumen oder Nachtangst betroffen. Das Land liegt damit über dem Bundesschnitt von 3,8 Prozent. Auch das Saarland liegt mit 4,26 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. In Baden-Württemberg (3,79 Prozent), Nordrhein-Westfalen (3,98 Prozent) und Hessen (3,91 Prozent) schlafen Erwerbstätige im Schnitt etwas besser.

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Ursachensuche am Beispiel Rheinland-Pfalz

Innerhalb von Rheinland-Pfalz sei, so die Barmer, ein Stadt-Land-Gefälle zu beobachten. In Gebieten mit hoher Bevölkerungsdichte seien mehr Betroffene. Die Gründe: Lärm, Stress und nächtliche Lichtverschmutzung.

SWR3-Reporter Jakob Reifenberger hat weitere konkrete Beispiele aus SWR3 Land:

Schlafstörungen in SWR3 Land; Foto: imago

Nachrichten Schlafstörungen in SWR3 Land

Dauer

„Stress ist der Feind des Schlafs“

Doch warum gehören die Rheinland-Pfälzer deutschlandweit bei Schlafstörungen zu den Spitzenreitern? Hans-Günter Weeß ist Leiter des Schlafzentrums am Pfalzklinikum Klingenmünster. „Die Menschen im Westen des Landes sind schon immer stärker von Schlafstörungen betroffen“, sagt er. Das liege daran, dass die Quote der Erwerbstätigen insgesamt sehr hoch sei. „Der berufliche Druck ist oft groß und Stress ist der Feind des Schlafs“, so der Mediziner.

Ein weiterer Faktor, der immer wieder zu Schlafstörungen und ernsten gesundheitlichen Problemen führe, sei das Arbeiten im Schichtbetrieb. In Rheinland-Pfalz gebe es viele große Betriebe, so Weeß, in denen Arbeitnehmer rund um die Uhr ran müssten. Dauerhafte Schichtarbeit führe zu einem „Leben wider die Natur“. Ein gestörter Schlaf sei da kein Wunder.

Erwerbstätige Frauen häufiger betroffen

In der weiblichen Bevölkerung seien es jedoch in der Regel mehr als in der männlichen, beobachtet Schlafforscher Weeß bei seinen Patienten. „Eigentlich sind Frauen zwar die besseren Schläfer“, sagt er. Sie könnten aber oft schlechter Abschalten.

Mehr medizinische Betreuung gefordert

Weeß bedauert es, dass trotz der alarmierenden Ergebnisse immer mehr Fachabteilungen und ganze Kliniken im Land schließen müssen. Die Versorgungssituation für Menschen mit Schlafstörungen sei in Rheinland-Pfalz unzureichend, sagt er. „Es gibt deutlich zu wenig spezialisierte Ärzte.“

Der Mediziner plädiert angesichts der steigenden Diagnosen für einen entspannten Umgang mit dem Thema Schlaf – vor allem unter Berufstätigen:

„Wir nehmen uns oft zu wenig Zeit für den Schlaf.“

Hans-Günter Weeß, Schlafforscher

Er wünscht sich zudem mehr Wertschätzung für die Nachtruhe. Die viel gescholtene „Schlafmütze“ dürfe nicht länger ein schlechteres Image haben als der „frühe Vogel“.