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Nur beim Fussball gilt „das Runde muss ins Eckige“. Die Natur kennt keine eckigen Eier und der Winzer kennt nur runde Fässer. Ein Pfälzer will das jetzt ändern.

Eckiges Weinfass; Foto: dpa/picture-alliance

Es ist nicht nur eckig, sondern auch zerlegbar: das Weinfass von Thomas Lutz.

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Deutschlands größte Sparfüchse wohnen in Schwaben und Wein ist kein Fußball – kommt also ins Runde, nicht ins Eckige. Das sind Tatsachen, die dem Südwesten Deutschlands Ordnung und Struktur geben. Doch jetzt kommt einer daher und stellt alles auf den Kopf.

Thomas Lutz, Schreinermeister und Berufsschullehrer, hat ein eckiges Weinfass erfunden. Um es herzustellen, wird weniger Holz verbraucht, die Produktion kostet weniger Geld und man kann beim Lagern und beim Transport sparen, weil die Fässer Wand an Wand gestellt werden können. Das könnten Visionen eines Schwaben sein. Sind's aber nicht.

Rund hält dicht

Das eckige Fass wurde in Bellheim in Rheinland-Pfalz entwickelt. Es ist aus Holz und Edelstahl, sieht aus wie ein modernes Möbelstück und hat schon einen Designpreis bekommen. Dass es für die Lagerung von Wein taugt, daran gibt es allerdings Zweifel.

Die Natur kennt keine eckigen Eier und der Winzer kennt nur runde Fässer. Beides hat den Grund, dass Ecken immer Schwachstellen sind. Und das Runde mehr Druck aushält. Mehr Druck heißt bei Holz: Es hält besser dicht.

Es geht nicht nur um Lagerung

Die runde Form hat klar Vorteile, sonst würde man Fässer nicht seit 2000 Jahren so bauen. Man kann heutzutage natürlich auch anders – wenn man will. Ingenieure lösen jedes Problem, irgendwie. Aber die Frage ist ja immer: wird es dadurch besser?

Die Fässer, die Lutz ersetzen will, sind Barriquefässer – und die sind nicht nur Lagerbehälter, sondern im Grunde eine legale Form der Aromatisierung von Wein. Die einzige.

Bretter „toasten“ oder Chips ins Fach

Die Bretter der Fässer, die Dauben, werden über Feuer gebogen. Und dabei entsteht im Holz Vanillin. Das erklärt den Vanillegeschmack in Barriqueweinen. Der Effekt hält nur wenige Jahre vor. Dann müsste man das Fass zerlegen und neu „toasten“, wie das heißt. Das macht kaum jemand, denn die Handarbeit ist zu teuer. Das ändert sich nicht grundlegend, wenn das Fass eckig ist.

Wer den Barrique-Geschmack will, aber Holz sparen, der arbeitet am Besten mit Chips. Also grobe, geröstete Sägespäne, die in einen Edelstahltank geworfen werden. Die gibt es längst in eckig und stapelbar. Oder man schiebt einfach Bretter in Großtanks. Darf alles gemacht werden.

Gibt es noch ein Marketing-Plätzchen?

Wem es um die Tradition geht, der verwendet wohl weiter Fässer, die wie Fässer aussehen. Die Frage ist einfach: Ist dazwischen ein Marketing-Plätzchen für Holzkisten, in denen lose Wein gluckert?