Autor
SWR Aktuell
SWR Aktuell; Foto: SWR3
Stand:

Weg mit evangelischem und katholischen Reli-Unterricht! Die Landesschülervertretung in Rheinland-Pfalz fordert die Abschaffung des konfessionellen Religionsunterrichts in seiner bisherigen Form.

Der konfessionelle Religionsunterricht an den Schulen in Rheinland-Pfalz stößt auf deutliche Ablehnung bei der Landesschülervertretung (LSV).

Kritik wegen Erziehung zur „Gottesfurcht“

Der Vorstand der LSV sagt, der Religionsunterricht widerspreche in seiner derzeitigen Form der Trennung von Kirche und Staat. Außerdem gebe die Landesverfassung im Artikel 33 vor, dass der Religionsunterricht zur Gottesfurcht erziehe. Das sei mit einer angstfreien Erziehung nicht vereinbar.

Darüber hinaus würde im Unterricht auffallen, dass vielen Religionslehrkräften mit kirchlicher Bindung die pädagogische Ausbildung fehle, kritisiert die LSV. Vor allem an Grundschulen sei es höchst problematisch, Nichtpädagogen einzusetzen.

Religionsunterricht - Kreuz an der Wand; Foto: picture alliance/Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Ist Religionsunterricht mit angstfreier Erziehung vereinbar?

picture alliance/Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Alternative zum Religionsunterricht: freiwillige AG

Die Schülervertreter wollen, dass der konfessionelle Reli- und Ethikunterricht durch ein Fach ersetzt wird, das über alle Religionen und Weltanschauungen informiert – in Form einer freiwilligen AG. Darin sollen Schüler die Möglichkeit bekommen, fundiert und reflektiert über Glauben und Glaubensüberzeugungen zu sprechen.

Ministerium will Reli-Unterricht nicht abschaffen

Die LSV hat schon mit der rheinland-pfälzischen Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) über ihre Forderung gesprochen. „Den bekenntnisorientierten Religionsunterricht abzuschaffen, halten wir weder für erforderlich noch für zielführend“, teilte das Bildungsministerium in Mainz dazu mit. „Wollte man den Religionsunterricht abschaffen, so müssten das Grundgesetz, die Landesverfassung und zudem noch Vorschriften im Schulgesetz und in den Schulordnungen geändert werden.“

Staatssekretär Hans Beckmann (SPD) erklärt zur LSV-Forderung: "Unsere Schulen stehen für Offenheit und Vielfalt – das betrifft ausdrücklich auch weltanschauliche und religiöse Fragen.“

Kirchen verteidigen Religionsunterricht

Die Kirchen wollen an der bisherigen Form des Religionsunterrichts festhalten. Die Erfahrung zeige, dass es dem konfessionellen Religionsunterricht gelinge, "junge Menschen zu einem verantworteten religiösen Bekenntnis und zu einer kenntnisreichen Toleranz gegenüber anderen Religionen und Weltanschauungen zu befähigen", erklärte der Bildungsdezernent des Bistums Mainz, Gereon Geissler.

Ein Sprecher der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) sagte, Religionsunterricht sei grundsätzlich offen für andere Konfessionen und Religionen. Aber „erst in der Auseinandersetzung mit einem greifbaren Modell gelebter christlicher Existenz – vor allem in der Person der Lehrkraft – können Schülerinnen und Schüler eine eigene Identität und Haltung ausprägen - durch Identifikation, aber auch durch Abgrenzung.“

Autor
SWR Aktuell
Autor
SWR3