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Björn Widmann
Björn Widmann, SWR3; Foto: SWR3
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Der Drogen-Krieg in Mexiko ist erbarmungslos: Als die Polizei einen der Söhne von „El Chapo“ festnehmen wollte, brachen in der Stadt Culiacán heftige Straßenkämpfe aus.

Straßenschlachten in Culiacán; Foto: Reuters

Mitglieder des Sinaloa-Kartells schossen auf den Straßen stundenlang auf die Einsatzkräfte

Reuters

In der mexikanischen Stadt Culiacán im Bundesstaat Sinaloa herrscht seit Donnerstag Ausnahmezustand. Schulen sind geschlossen, die Menschen in der Stadt wurden aufgefordert, zuhause zu bleiben. Schuld an der Situation ist das Sinaloa-Kartell, das sich heftige Straßenkämpfe mit den mexikanischen Behörden geliefert hat.

Die Nationalgarde und die Armee haben ein Haus umstellt, in dem sich der Sohn des langjährigen Chefs des Sinaloa-Kartells, Joaquín „El Chapo“ Guzmán aufgehalten haben soll. Laut mexikanischen Medien wurde Ovidio Guzmán López auch tatsächlich verhaftet – eine offizielle Bestätigung gab es dafür aber nicht.

Darauf hätten aber Mitglieder des Kartells die Sicherheitskräfte umzingelt, dann seien Straßenschlachten ausgebrochen: Die Bandenmitglieder waren in der Überzahl, die Sicherheitskräfte mussten sich zurückziehen und den Einsatz abbrechen, teilte Mexikos Sicherheitsminister Alfonso Durazo mit.

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Szenen wie im Krieg

Schwer bewaffnete Bandenmitglieder fuhren in Autos durch die Straßen und schossen auf das Militär. Autos standen in Flammen, immer wieder waren Explosionen zu hören. Die Behörden riefen die Bewohner von Culiacán auf, nicht auf die Straße zu gehen.

Mehrere Bewaffnete kaperten vorbeifahrende Autos, erschossen die Fahrer und Beifahrer. Einige Bandenmitglieder trugen schwarze Skimasken über ihren Gesichtern und schossen von der Ladefläche von Lastwagen. Fahrer versuchten, im Rückwärtsgang von den Kämpfen wegzukommen.

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Keine Schule, keine öffentlichen Verkehrsmittel

Während der Straßenschlachten seien auch bis zu 30 Gefangene aus einem Gefängnis geflüchtet. Die Polizei habe einige wieder eingefangen, sagte der Sicherheitsdirektor des Bundesstaates, Cristóbal Castañeda.

Der Fußballverein Dorados sagte ein Spiel aus Sicherheitsgründen ab. Der Schulunterricht für Freitag wurde gestrichen, Geschäfte sollten laut Gouverneur Quirino Ordaz aber normal öffnen. Berichten zufolge fuhren jedoch keine öffentlichen Verkehrsmittel oder Taxis.

Das Sinaloa-Kartell von „El Chapo“

Ovidio Guzmán Lopez und sein Bruder Alfredo sollen die Führung über einen Teil Sinaloa-Kartells übernommen haben, nachdem ihr Vater Joaquín – genannt „El Chapo“, der Kurze – vor zwei Jahren an die USA ausgeliefert worden war.

Im Juli wurde „El Chapo“ in den USA zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Er soll bis zu seiner Festnahme der mächtigste Drogenboss der Welt gewesen sein. Das Sinaloa-Kartell soll zwischen 1980 und 2008 etwa 200 Tonnen Kokain in die USA eingeschmuggelt und dort verkauft haben. Der Wert: Mehr als 6,5 Milliarden Euro.

Verwirrung um Festnahme

Straßenkämpfe in Culiacán; Foto: Reuters

Überall in den Straßen von Culiacán lagen nach dem Einsatz Leichen

Reuters

Während mehrere mexikanische Medien berichten, Ovidio Guzmán Lopez sei festgenommen worden, ließ dessen Familie über Anwalt José Luis González Meza ausrichten: „Ovidio ist am Leben und frei“.

Ovidio Guzmán Lopez wird in den USA wegen Drogenschmuggels gesucht. Auch seine Brüder Iván Archivaldo Guzmán und Jesús Alfredo Guzmán, bekannt als „Los Chapitos“, sollen einen weiteren Teil des Sinaloa-Kartell führen, gemeinsam mit einem anderen Mann.

Ovidio Guzmán wurde 2018 von einer Grand Jury in Washington beschuldigt, gemeinsam mit einem vierten Bruder Kokain, Metamphetamin und Marihuana zu schmuggeln. Neben den vier genannten soll Joaquín Guzmán noch mindestens 11 weitere Kinder haben.

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Björn Widmann
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