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Mario Demuth
Mario Demuth, SWR3; Foto: SWR3
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In Baden-Baden soll ein Jugendbetreuer des THW Kinder sexuell missbraucht haben. Der Fall erschüttert und verunsichert Eltern. Wir haben Infos zu Hilfsangeboten und Ratschläge eines Experten für Fragen zum Thema Missbrauch.

Ein Jugendbetreuer des Technischen Hilfswerks in Baden-Baden steht unter dem Verdacht, Kinder sexuell missbraucht zu haben. Der Verdächtige soll das mittlerweile gestanden haben, teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit. Zwischen März und Dezember 2018 soll er elf Jungen im Alter zwischen fünf und zwölf Jahren sexuell misshandelt haben oder es versucht haben. Der Stern, berichtete dass der Mann die Kinder während Veranstaltungen auf dem THW-Übungsgelände von der Gruppe getrennt und mit ihnen in einen Keller gegangen sein soll.

Ein Junge hatte sich seinen Eltern anvertraut und so die Ermittlungen in Gang gesetzt. Meldungen über Missbrauchsfälle verunsichern immer wieder Eltern. Wie erkennt man, wenn das das eigene Kind möglichweise Opfer von sexueller Gewalt wurde und wo bekommt man Hilfe?

Dazu haben wir mit dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, gesprochen. Seine Aufgaben sind Aufklärung und Hilfeangebote für Betroffene – aber auch das Erkennen von Handlungsbedarf beim Gesetzgeber.

Auf was muss ich bei meinem Kind achten?

Bild von Johannes-Wilhelm Röring, Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Missbrauchs von Kindern.; Foto: picture alliance/Michael Kappeler/dpa

Johannes-Wilhelm Rörig

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Das eine eindeutige Anzeichen gebe es leider nicht, erklärte Rörig in SWR3. Eltern sollten aber auf Verhaltensänderungen bei ihrem Kind achten – vor allem, wenn es sich plötzlich zurückzieht oder sehr bedrückt ist.

Ein Signal könne auch sein, wenn ein Kind plötzlich nicht mehr zum Sporttraining oder in die Jugendgruppe will. „Wichtig ist dann, dass die Eltern den Kindern Gesprächsangebote machen“ Sie sollten sie aber nicht unter Druck setzen und Antworten erzwingen, sondern „Brücken bauen“.

Was kann ich als Mutter oder Vater bei einem Verdacht tun?

Wichtig sei, dass man ruhig bleibe und „übertriebene Aufgeregtheit“ vermeide, erklärte Rörig. Er rät auch dringend davon ab, den Verdächtigen selbst zu befragen, denn dieser würde die Vorwürfe mit Sicherheit abstreiten. Im schlimmsten Fall droht dann eine Verleumdungsklage.

Eltern, die einen Missbrauchsverdacht haben, sollten sich zunächst mit einem Experten beraten. Rörig empfiehlt dafür das kostenlose Hilfe-Telefon der unabhängigen Bundesorganisation. Dort sitzen psychologisch und pädagogisch ausgebildete Experten, die zuhören, Informationen geben und – wenn gewünscht – auch erklären, wo man vor Ort Hilfe und Unterstützung bekommt.

Sollte es eine für mögliche Missbrauchsfälle zuständige Ansprechperson im Verein oder der Gruppe des Kindes geben, so könne man auch dort das Gespräch suchen. Rörig machte aber klar:

„Angst vor falschem Verdacht darf im Bereich des Missbrauchs nicht zum Wegschauen führen“

Johannes-Wilhelm Rörig

Schweigen würde dem Täter nützen und den betroffenen Mädchen und Jungen sehr schaden, ergänzte der Bundesbeauftragte.

Wie können Eltern einen Generalverdacht vermeiden?

Jetzt im Sommer sind viele Kinder in Ferienfreizeiten oder machen Gruppenreisen. Damit Eltern die Betreuer oder Trainer dort nicht unter Generalverdacht stellen und sich während der Abwesenheit ihrer Kinder möglichst wenig Sorgen machen müssen, rät Rörig folgendes: Man sollte den Reiseveranstalter oder den Verein offen darauf ansprechen, ob es denn Konzepte und Maßnahmen zum Schutz gegen sexuelle Gewalt gibt.

Als Beispiele nennt er ein einfaches Beschwerdesystem für Kinder, die Überprüfung von erweiterten Führungszeugnissen von Trainern und Betreuern sowie klare Verhaltensregen. Dazu gehöre beispielsweise, eine klare Vorgabe, dass Erwachsene nicht mit Kindern in einem Zelt schlafen dürfen oder das Verbot, dass keine Nacktfotos gemacht werden dürfen.

Wenn man diese Fragen stellt, solle man dann genau zuhören, wie darauf geantwortet wird. Sollte man das Gefühl haben, dass das Thema nicht ernst genug genommen wird, dann rät Rörig dazu, die Gruppenreise oder die Vereinsmitgliedschaft des Kindes zu überdenken.

Wie kann ich mein Kind warnen ohne ihm Angst zu machen?

Der Bundesbeauftragte Rörig hat dazu mit Erziehungsexperten gesprochen und rät Eltern, bereits mit kleineren Kindern über übergriffiges Verhalten von Älteren oder Gleichaltrigen zu sprechen. Dabei sollte man aber keine Horror-Szenarien heraufbeschwören, sondern in einfachen Worten beschreiben, um was es geht. Man könne seinem Kind beispielsweise sagen: „Es gibt böse Menschen, die tun freundlich, wollen dich aber anfassen oder dir zwischen die Beine greifen oder ein Foto von dir machen, wenn du nackt bist. Das ist verboten. Wenn dir so etwas passiert, sprich darüber. Behalte das auf keinen Fall für dich.“

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