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Wie tickt die Jugend in Deutschland? Was ist Jugendlichen wichtig, wovor haben sie Angst? Das sind Fragen, die die Shell Jugendstudie seit mehr als 60 Jahren stellt. Sie ist sozusagen die Mutter aller Jugendstudien.

Jugendliche in Deutschland wollen die Zukunft wieder mehr mitgestalten. Und der Umwelt- und Klimaschutz ist für junge Menschen deutlich wichtiger geworden als noch vor ein paar Jahren. Das sei vor allem bei besser Ausgebildeten der Fall, heißt es in der aktuellen Shell Jugendstudie, die in Berlin vorgestellt wurde. Die wichtigsten Ergebnisse:

Sorge vor Klimawandel und Umweltverschmutzung

Kein Thema macht der Shell Studie zufolge so vielen jungen Menschen in Deutschland Angst wie die Verschmutzung der Umwelt. 71 Prozent der 12- bis 25-Jährigen gaben an, das Thema mache ihnen Angst. In der vergangenen Studie aus dem Jahr 2015 hatte noch die Angst vor Terroranschlägen ganz vorn gelegen. Dieses Thema ängstigt laut der aktuellen Befragung noch zwei Drittel der Jugendlichen. Die Angst vor dem Klimawandel landet auf Platz drei.

Die Europäische Union finden viele gut

50 Prozent der Jugendlichen stehen der EU insgesamt positiv, aber nur acht Prozent negativ gegenüber. Das Vertrauen in die Staatengemeinschaft hat eher zugenommen. Sie steht bei Jugendlichen für Freizügigkeit, kulturelle Vielfalt und Frieden, im Vergleich zu 2006 zunehmend aber auch für wirtschaftlichen Wohlstand und soziale Absicherung.

Populismus und populistische Parolen

Der Studie zufolge wächst die Empfänglichkeit für politischen Populismus. Rund ein Drittel der Jugendlichen übernimmt einzelne populistische Positionen, neun Prozent stimmen rechtspopulistischen Positionen insgesamt zu.

Bestimmte rechtspopulistisch orientierte Aussagen stoßen auch bei Jugendlichen auf Zustimmung. So stimmen mehr als zwei Drittel der Aussage zu, dass man nichts Negatives über Ausländer sagen darf, ohne als Rassist zu gelten.

Eltern und Familie

Im Ergebnis zeichnet sich ein relativ familienorientiertes Bild ab. Das Verhältnis der Jugendlichen zu ihren Eltern ist überwiegend gut. Die Mehrheit sieht ihre Eltern als Erziehungsvorbilder. Der Kinderwunsch ist stabil.

Sind solche Studien heute überhaupt noch sinnvoll?

SWR Aktuell hat mit Professor Bernhard Heinzlmaier, Vorsitzender des Instituts für Jugendkulturforschung in Wien, gesprochen und gefragt, ob er solche Jugendstudien überhaupt noch für sinnvoll halte. Nicht alle Jugendstudien seien sinnvoll, so Heinzlmaier, die Shell-Jugendstudie aber schon. Die habe eine besonders hohe Qualität, dass die ganze Branche auf die Ergebnisse warte.

Heinzlmaier: Shell-Studie wichtigstes jugend-soziologisches Werk

Laut Heinzlmaier sei sie das wichtigste jugend-soziologische Werk im deutschsprachigen Raum. Das liege daran, dass bei der Studie die renommiertesten Forscher unserer Zeit mitarbeiten. Außerdem habe die Studie eine vernünftige Kombination aus qualitativen und quantitativen Methoden, erklärt Heinzlmaier.

Bei der Studie ginge es auch um Werte und Einstellungen von Jugendlichen. Die seien relativ stabil und würden sich nicht von heute auf morgen ändern.

Bei der letzten Shell Jugendstudie aus dem Jahr 2015 kam unter anderem heraus, dass Jugendliche in Deutschland immer politischer werden. Ein Trend der sich auch 2019 fortsetzen wird? Auch mit dem Hintergrund der Fridays for Future-Bewegung? Die Antwort von Professor Heinzlmaier im Audio:

SWR3-Audio: Beitrag anhören; Foto: SWR3.de

Nachrichten Shell-Jugendstudie: Wie politisch sind Jugendliche in Deutschland?

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