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Trump und sein Twitter, #MeToo und die Dreamers: Oscar-Moderator Jimmy Kimmel machte die Verleihung politisch.

Kaum hatte die Verleihung der 90. Academy Awards in Los Angeles begonnen, holte Moderator Jimmy Kimmel auch schon zum Schlag gegen US-Präsident Donald Trump aus.

Ein Seitenhieb gegen Trump

Als die Kamera auf die dunkelhäutige Schauspielerin Lupita Nyong'o zeigte, stellte er sie als in Mexiko geboren und in Kenia aufgewachsen vor und sagte dazu: „Und nun lasst den Twittersturm vom Präsidentenklo beginnen!“

Dann sprach Kimmel die unterschiedlichen Gagen von Frauen und Männern in Hollywood an. Er erwähnte, das Beispiel von Mark Wahlberg, der bei einem Dreh in der Vergangenheit ein Gehalt bekam, das tausendmal höher war als das seiner Kollegin Michelle Williams. Und inakzeptabel sei auch, dass viel weniger Frauen als Männer in Hollywood Regie führten. „Die Welt schaut uns zu“, sagte Kimmel.

Mehr Männer wie Oscar in der Stadt

Selbst die Oscar-Statue wurde zum Symbol: „Oscar ist aktuell der beliebteste und am meisten respektierte Mann. [...] Er hat seine Hände dort, wo man sie sehen kann.“ Und:

„Er hat überhaupt keinen Penis. Das ist ein Mann, vom dem wir mehr in dieser Stadt brauchen.“

Die Verleihung der Preise kam bei Kimmel gut weg. Er beschrieb sie als „Nacht für Positives“. Der Moderator sagte, er erinnere sich an die Zeit, als große Filmstudios nicht daran glaubten, eine Frau oder eine ethnische Minderheit könne einen Superheldenfilm gestalten. „Daran erinnere ich mich, weil es erst im März vergangenen Jahres war“, fügte er spitz hinzu.

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Emotionaler #MeToo-Moment auf der Bühne

Ein besonders emotionaler Moment kam dann, als Ashley Judd, Anabella Sciorra und Salma Hayek gemeinsam auf die Bühne kamen. Alle drei haben dem Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein sexuelle Belästigung vorgeworfen.

Judd, Sciorra, Hayek; Foto: Reuters

Die Schauspielerinn Ashley Judd, Anabella Sciorra und Salma Hayek kamen gemeinsam auf die Bühne und wurden für ihren #MeToo-Protest mit donnerndem Applaus gewürdigt.

Reuters

Sie würdigten zusammen die #MeToo-Bewegung. Judd sagte, die nächsten 90 Jahre (eine Anspielung auf die 90. Oscar-Verleihung in diesem Jahr) sollten dazu dienen, die Chancen von Gleichberechtigung, Vielfalt und Inklusion noch viel stärker zu nutzen.

Schon vor der Verleihung selbst, noch auf dem Roten Teppich, waren kämpferische Stimmen zu hören gewesen. Stars gaben ihre Stellungnahmen zur aktuellen #MeToo- und „Time's Up“- (Die Zeit ist um) Bewegung ab.

Protest am Kleid

Auch wenn es kaum schwarze Kleider auf dem Laufsteg gab, die noch bei der Verleihung der Golden Globes als Zeichen des Protests galten, wurde der Kampf für Gleichberechtigung deutlich.

Time's-Up-Anstecker; Foto: Reuters

Ein „Time's Up“-Anstecker am Kleid von Schauspielerin Olivia Wilde.

Reuters

Die Schauspielerinnen Jane Fonda und Olivia Wilde etwa trugen einen Button mit der Aufschrift „Time's Up“ an ihrem Kleid. Auch Regisseur Guillermo del Toro, der mit Shape of Water in der Kategorie „Beste Regie“ gewann, trug so einen Anstecker.

Ansage an Trump – und an die Dreamer

Schauspielerin Lupita Nyong'o kam später auch noch selbst auf die Bühne. Zusammen mit Kumail Nanjiani präsentierte die Schauspielerin den Oscar für das beste Produktionsdesign (The Shape Of Water) – und lieferte eine kämpferische Ansage an Trump: „Träume sind die Basis von Amerika. Also, an alle Dreamer da draußen: Wir sind bei euch!“

Damit wandten sich die beiden an die DREAMer, die minderjährigen Geflüchteten in den USA, deren geduldeten Status Trump aberkennen will.

Autor
Lena Seiferlin
Autor
SWR3