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Immer wieder tauchen illegale oder gefälschte Medikamente in Apotheken auf. Mit einer neuen EU-Richtline sollen Patienten jetzt besser davor geschützt werden. Helfen sollen zusätzliche Sicherheitsmerkmale.

In deutschen Apotheken gehen pro Jahr etwa 750 Millionen rezeptpflichtige Medikamente über die Ladentheken. Ein so großer Markt zieht auch Fälscher an. Und gefälschte Medikamente können für Patienten gefährlich werden. Etwa wenn sie keine oder zu wenige Wirkstoffe enthalten. Dagegen will die EU mit der sogenannten Fälschungsschutzrichtlinie vorgehen.

Siegel und Codes für mehr Sicherheit

Bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln sollen jetzt ein Siegel und ein Barcode sicherstellen, dass es sich um Originale handelt. Mit den Siegeln sollen Verbraucher leichter erkennen können, ob Verpackungen schon offen waren. Das soll zum Beispiel verhindern, dass jemand Originalpackungen mit gefälschten Pillen füllt. Die Barcodes sollen zeigen, ob ein Medikament echt ist.

Es werden allerdings auch noch ein paar Jahre Medikamente ohne die Sicherheitsmerkmale im Umlauf sein. Bereits produzierte Medikamente können nämlich noch bis zu ihrem Verfallsdatum verkauft werden.

Fälschungen von Krebs- und Aidsmedikamenten lukrativ

Die neue EU-Richtlinie zielt auf falsche Medikamente ab, die auf legalem Weg über die Apotheken zum Patienten kommen. Weit größer ist das Problem mit den gefälschten Medikamenten allerdings auf dem Schwarzmarkt – etwa im Internet oder mit geschmuggelter Ware.

Für Fälscher lohnen sich vor allem teure Krebs- und Aidspräparate. Oft sind in solchen Fällen internationale Fälscherbanden am Werk. Noch sind es Einzelfälle, aber jeder ist einer zu viel, sagt Martin Bergen von Securpharm, der Organisation aus Pharma-Unternehmen, Großhändlern und Apotheken.

Lebensnotwendig Medikamente zu fälschen ist ein anderes Kaliber als beispielsweise Turnschuhe zu plagiieren.

Martin Bergen, Securpharm


Betrug mit Medikamenten in Baden-Württemberg?

In Baden-Württemberg, Ungarn und der Schweiz ist die Polizei erst vor kurzem gegen mutmaßliche Medikamenten-Fälscher vorgegangen. Die Polizei hat Wohnungen und Firmen durchsucht. Der Verdacht: Ein Großhändler soll sowohl die Verpackungen als auch die Beipackzettel von Krebsmedikamenten verkauft haben. Ob auch die Wirkstoffe der Medikamente gefälscht wurden, ist noch offen.