Autor
Laura Bisch
Laura Bisch, SWR3; Foto: SWR3
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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die medizinische Notfallversorgung in Deutschland reformieren. Sein aktueller Vorschlag: Notruf und Terminservicestellen zusammenführen. Aber löst das tatsächlich die Probleme der überfüllten Notaufnahmen?

Das Bundesgesundheitsministerium hat einen Arbeitsentwurf für ein Gesetz vorgelegt und an die Länder versandt. Darin geht es um einen Vorschlag von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU): Ambulante, stationäre und rettungsdienstliche Notfallversorgung, die zurzeit noch weitgehend voneinander abgeschottet arbeiten, sollen zu einem System der integrierten Notfallversorgung ausgebaut werden.

Eine Nummer für alle Fälle – so die Theorie

Konkret sollen dazu die Telefonnummer 112 für den Rettungsdienst und die Nummer 116117 für die Terminservicestellen der niedergelassenen Ärzte zusammengeführt werden. Die Anrufe würden dann in Notfallleitstellen ankommen, wo Mitarbeiter in einem „Ersteinschätzungsverfahren“ ermitteln sollen, ob dem Anrufer am besten im Krankenhaus oder ambulant geholfen werden kann.

Eine Stelle, die sagt, wohin sich ein Patient wenden soll

Außerdem sollen laut Spahns Vorschlag an bestimmten Krankenhäusern „integrierte Notfallzentren“ (INZ) eingerichtet werden, die von den Kliniken und den kassenärztlichen Vereinigungen gemeinsam betrieben werden. Patienten sollten dort entweder sofort in die Notaufnahme geschickt oder an niedergelassene Ärzte verwiesen werden. Spahn will damit die Notaufnahmen an Deutschlands Krankenhäusern entlasten:

Derzeit sind die Notaufnahmen der Krankenhäuser zu häufig überlaufen, weil unter den Patienten auch solche sind, denen andernorts besser geholfen werden könnte. Dadurch sind die Wartezeiten für Notfallpatienten oft zu lang.

Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister

Was bringt so eine Reform?

Was so eine Reform – sollte sie am Ende tatsächlich beschlossen werden – tatsächlich bewirken kann, ist momentan noch unklar. Kritiker bemängeln, dass der Vorschlag vorsieht, dass eine Person per Ferndiagnose am Telefon beurteilen soll, ob jemand ins Krankenhaus oder zum Arzt gehen sollte.

SWR-Berlin-Korrespondent Uwe Lueb kommentiert Spahns Vorschlag im Video.

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