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Hans Liedtke
Hans Liedtke, SWR3; Foto: SWR3
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Der Skandal um gefälschte Geschichten beschäftigt die Verantwortlichen beim Spiegel weiter. Jetzt ist die Führungsebene dran. Mit einem Schreiben wendet sich der designierte Chefredakteur an seine Mitarbeiter.

Nach der Aufdeckung zahlreicher Fälschungen durch den früheren Spiegel-Autor Claas Relotius lassen Spiegel-Chefredakteur Ullrich Fichtner und Blattmacher Matthias Geyer ihre Arbeit vorerst ruhen. Das kündigte der designierte Chefredakteur Steffen Klusmann an.

Fall Relotius nicht leichtfertig abtun

Designierter Spiegel-Chefredakteur Steffen Klusmann setzt Verträge auf Eis.; Foto: dpa/picture-alliance

Designierter Spiegel-Chefredakteur Steffen Klusmann setzt Verträge auf Eis.

dpa/picture-alliance

Klusmann schreibt in dem der dpa vorliegenden Brief, der Fall des Reporters Claas Relotius habe bei einigen die Frage aufgeworfen, ob Fichtner als Chefredakteur und Geyer als Blattmacher nach einem solchen „Desaster“ eigentlich noch tragbar seien. „Der eine hat Claas Relotius für den Spiegel entdeckt, der andere hat ihn fest angestellt und bis zuletzt geführt.“

Er wolle den Fall Relotius hier nicht leichtfertig abtun, schreibt Klusmann. „Dafür ist er zu groß und zu gefährlich. Und er ist noch lange nicht ausgestanden. Ich habe daher mit Matthias und Ullrich verabredet, dass wir ihre neuen Verträge erstmal aussetzen und ruhen lassen, bis die Kommission den Fall abschließend untersucht hat.“

Solange werde er zwei erfahrene Kollegen bitten, als Blattmacher beim Heft auszuhelfen, schreibt Klusmann weiter.

„Über mehrere Jahre hinweg vielfach Fakten falsch dargestellt“

Claas Relotius hat beim Spiegel zahlreiche Artikel gefälscht.; Foto: dpa/picture-alliance

Claas Relotius hat beim Spiegel zahlreiche Artikel gefälscht.

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Das Nachrichtenmagazin hatte den Fälschungsskandal am 19. Dezember öffentlich gemacht. Von Relotius waren dem Magazin zufolge seit 2011 knapp 60 Texte im Heft und bei Spiegel Online erschienen.

Er selbst hatte sich am Donnerstag erstmals über einen Anwalt geäußert und dabei den Vorwurf bestritten, dass er Spenden, die nach einer seiner Geschichten über syrischen Kinder bei ihm eingingen, für sich persönlich verwendet habe.

Zugleich hieß es in dem Anwaltsschreiben: „Unser Mandant hat bereits eingeräumt, dass er bei seinen Reportagen – im Wesentlichen im Magazin Der Spiegel – über mehrere Jahre hinweg vielfach Fakten falsch dargestellt, verfälscht und hinzuerfunden hat.“