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Der Kaffee beim Bäcker – bezahlt bargeldlos mit dem Smartphone. Das verspricht etwa Apple Pay, das heute startet. Doch richtig alltagstauglich sind solche Systeme noch nicht.

Samstagmorgen, Gewühle an der Supermarktkasse: Es dauert, das Portemonnaie in der Tiefe der Handtasche zu finden, Scheine und Münzen passend abzuzählen oder die Verbindung des Kartenlesegeräts abzuwarten.

In der schönen neuen Einkaufswelt soll Bezahlen viel schneller und praktischer werden. Mit dem heutigen Start von Apple Pay verbindet die Branche große Hoffnungen. Banken und Händler erwarten sogar eine Trendumkehr. Apple Pay soll dem mobilen Bezahlen den nötigen Schub geben und es massentauglich machen.

Die Voraussetzungen sind gegeben: Das Smartphone ist ein Alltagsgegenstand, den man ohnehin ständig in der Hand hat, die Bezahlterminals sind gerüstet und die Verkäufer an den Kassen geschult. Waren auswählen, Handy oder nur die Smartwatch an den Bezahlterminal halten, fertig - so wollen es die Anbieter dem Kunden schmackhaft machen.

Hoher Anteil an Bar-Zahlern

Smartphone; Foto: dpa/picture-alliance

Das Smartphone nur kurz auf das Lesegerät halten und schon wird der Betrag vom Konto abgebucht. Entwickler preisen die Technologie als sehr praktisch an.

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Jedoch gilt Deutschland als schwieriger Markt. Bislang zahlt kaum jemand mit seinem Smartphone. 80 Prozent aller Einkäufe werden bar bezahlt. Und das, obwohl schon einige Anbieter wie Google Pay oder die Sparkassen und Volksbanken mit ihren eigenen Bezahl-Apps in den Markt drängen.

Wie das Smartphone zur Geldbörse wird, läuft im Prinzip bei allen mobilen Zahlmöglichkeiten technisch ähnlich ab. Eine Kreditkarte wird in der jeweiligen Bezahl-App hinterlegt. Im Geschäft hält der Kunde beim kontaktlosen Bezahlen sein Smartphone an das Kassenlesegerät. Wenn das mit der sogenannten Near Field Communication Technologie (NFC) ausgestattet ist, und das sind in Deutschland mittlerweile mehr als die Hälfte aller Kassen, funktioniert es.

Bei Android-Handys reicht es bei Beträgen unter 25 Euro, das Smartphone an das Kassenterminal zu halten. Wer teurere Einkäufe macht oder wer mit dem iPhone einkauft, muss sich durch Fingerabdruck oder Gesichtserkennung identifizieren.

Noch nicht alltagstauglich

Richtig alltagstauglich ist mobiles Bezahlen aber noch nicht. „Das fängt schon bei den Grundvoraussetzungen an“, kritisiert Maike Strudthoff, Mobile-Payment-Expertin und Autorin für Digitalthemen. „Kunden brauchen das richtige Handy, nämlich NFC-fähig, und müssen die passende Bank haben, die wiederum eine kompatible Zahlungskarte anbietet. Das ist verwirrend und noch nicht unbedingt für die Masse nutzerfreundlich.“

Ein iPhone zu haben bedeutet noch lange nicht, Apple Pay nutzen zu können. Denn jedes System arbeitet mit unterschiedlichen Banken zusammen. Apple Pay können beispielsweise Kunden der Deutschen Bank und der Comdirect nutzen – die Commerzbank dagegen setzt auf Google Pay. Und wer sein Konto bei einer Sparkasse oder Volks- oder Raiffeisenbank hat, ist auf deren institutseigene Bezahldienste angewiesen.

Engpässe auf dem Land

Noch machen nicht alle Geschäfte mit. In der Großstadt haben Kunden die größten Chancen, mobil bezahlen zu können. Hier haben zumindest die Einzelhandelsketten fast flächendeckend NFC-Terminals. Das sind praktisch alle Supermärkte, Warenhäuser, Discounter und Elektromärkte.

Aber selbst in Ballungszentren kommt man mit dem Handy allein nicht unbedingt durch den Tag: Nach dem Joggen schnell beim Bäcker um die Ecke einen Kaffee und ein Brötchen mit dem iPhone bezahlen, das dürfte nicht klappen.

Sorge um Datensicherheit

Auch die Sorge um die Sicherheit der eigenen Daten schreckt viele Deutsche vom Einkauf mit dem Handy ab. Die Kundendaten aus dem mobilen Bezahlen sind schließlich Gold wert. Sie geben an, was man kauft, wo man kauft und wie viel man ausgibt. Christian Gollner von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz warnt, Anbieter gingen mit den sensiblen Kundendaten unterschiedlich um. „Apple gibt an, keine Informationen über Transaktionen zu speichern und auch keinen Zugriff auf die Daten zu haben.“

Bei Google Pay sei das anders. „Einerseits wird gesagt, wir nutzen diese Daten nicht. Aber die Datenschutzbestimmungen, die dem Ganzen zugrunde liegen, sprechen eine andere Sprache.“ Danach seien das Zusammenfassen und Auswerten von Kundendaten für personalisierte Werbung und Angebote durchaus möglich.

Vorsicht bei Verlust des Smartphones

Generell gilt: Wer mobil bezahlt, sollte wachsam sein, regelmäßig Auszüge und Abrechnungen kontrollieren und sich sofort bei der Bank und dem Bezahldienst melden, wenn etwas auffällig ist – erst recht natürlich, wenn man sein Smartphone verliert.

In vielen anderen Ländern in Asien und Skandinavien ist mobiles Bezahlen längst üblich. Je mehr Shops mitmachen, desto alltagstauglicher wird es. Mit Google Pay und Apple Pay sind nun zwei große internationale Player am Markt. Mobiles Bezahlen wird sich etablieren. Als die ersten Handys auf den Markt kamen, war das auch etwas für „Angeber“ - und heute haben mehr Deutsche ein Smartphone als einen PC.