Autor
Tim Stobbe
Tim Stobbe, SWR3; Foto: SWR3
Stand:

In seiner Weihnachtsansprache warnte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier davor, die Demokratie als selbstverständlich anzusehen. 2019 sei viel gestritten worden. Die Frage sei, wie aus Gegensätzen Zusammenhalt entstehen könne.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier appellierte in seiner Weihnachtsansprache an die Bürger, ihre Verantwortung für die Demokratie wahrzunehmen. Seit 30 Jahren lebe Deutschland in Einheit, Freiheit und Demokratie.

Nur: Nehmen wir das bitte nicht als selbstverständlich! Wir brauchen die Demokratie - aber ich glaube: Derzeit braucht die Demokratie vor allem uns.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Mehr geredet, mehr gestritten

Im vergangenen Jahr habe er dazu aufgerufen, mehr miteinander zu reden. Auch mit Menschen, deren Meinung man nicht teile. Seiner Auffassung nach habe das auch stattgefunden. Es sei mehr miteinander gesprochen, aber auch mehr miteinander gestritten worden. „Von zu wenig Meinungsfreiheit kann in meinen Augen nicht die Rede sein. Ganz im Gegenteil: So viel Streit war lange nicht.“ Die Frage sei, wie aus „Dauerempörung“ eine „ordentliche Streitkultur“ werden könne. „Wie wird aus Gegensätzen Zusammenhalt?“

Erinnerung an Anschlag in Halle

Der Bundespräsident erinnerte an den Anschlag auf die Synagoge in Halle. Das Bild der Eingangstür der Synagoge habe sich ihm tief eingeprägt. Es sei ein Wunder, dass sie den 20 Schüssen des Angreifers standgehalten habe. Diese Tür stehe für mehr. „Sie steht auch für uns. Sind wir stark und wehrhaft? Stehen wir genügend beieinander und fest zueinander?“

Die Antwort darauf müssten die Bürger dieses Landes geben, mahnte Steinmeier: „Sie stehen auf und halten dagegen, wenn im Bus Schwächere angepöbelt werden; wenn jemand, der anders aussieht, beleidigt wird; wenn auf dem Schulhof, in der Kneipe rassistische Sprüche fallen.“ Auch im Internet könne jeder mit darüber entscheiden, „ob die krassesten und lautesten Parolen mit immer neuen Klicks belohnt werden oder ob Sie auf Fakten, Vernunft und bessere Argumente setzen“.

Was für ein Aufwand! Die Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten; Foto: imago

Nachrichten Was für ein Aufwand! Die Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten

Dauer

Demokratie braucht „selbstbewusste Bürger“

Der Bundespräsident unterstrich: „Was die Demokratie braucht, sind selbstbewusste Bürgerinnen und Bürger – mit Zuversicht und Tatkraft, mit Vernunft, Anstand und Solidarität.“

Ich weiß: Alles das steckt in uns, steckt in Ihnen, steckt in dieser gesamten Gesellschaft. Und deshalb glaube ich an uns. Deshalb glaube ich an dieses Land.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Steinmeier schloss mit Worten aus der Weihnachtsgeschichte: „Fürchtet euch nicht!“ Er wünsche allen „Mut und Zuversicht“ für das kommende Jahr.