Autor
Laura Bisch
Laura Bisch, SWR3; Foto: SWR3
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Wer in oder nach Frankreich fahren will, muss weiterhin seine Pläne wohl ohne die Bahn machen. Am Donnerstag sind wieder viele Züge ausgefallen, weil Gewerkschaften zum Streik aufgerufen hatten.

Der Vorsitzende des Gewerkschaftsbundes CGT, Philippe Martinez, sprach am Donnerstag im Radiosender Europe 1 von einem „gerechten Kampf“ gegen eine „schlechte“ Reform. Geplant waren nach seinen Worten mehr als 200 Kundgebungen im ganzen Land.

In Paris kamen rund 56.000 Menschen zum zentralen Protestmarsch. Vor allem dort kam es zu einzelnen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Dabei wurden nach Polizeiangaben mindestens 16 Beamte verletzt. Mehr als 20 Menschen wurden festgenommen.

Aber auch in anderen Großstädten wie Marseille, Bordeaux und Rennes demonstrierten die Menschen. Die Angaben über die Zahl der Demonstrierenden gehen jedoch weit auseinander: Während das Innenministerium von 452.000 Demonstrierenden landesweit spricht, sagt die Gewerkschaft CGT, dass 1,7 Millionen Menschen im ganzen Land demonstriert hätten.

Menschen wollen Macrons Rentenreform nicht

Die CGT und andere Gewerkschaften wollen die Regierung mit den Streiks und Demos zur Abkehr von der Rentenreform zwingen. Denn mit ihr müssten viele Menschen länger arbeiten – nämlich statt bis zum Alter von 62 Jahren bis 64.

Die Rentenreform ist das zentrale Reformversprechen Macrons: Er will das komplizierte System mit 42 verschiedenen Regelungen in Frankreich vereinheitlichen und damit das Milliarden-Defizit der Rentenkassen abbauen.

Viele Fernzüge könnten ausfallen

Weil auch die Bahnlinien von und nach Deutschland wieder bestreikt werden sollen, kann es während der andauernden Streiks zu erneuten Ausfällen kommen.

Die Streiks bei der Bahn und im Pariser Nahverkehr dauern bereits seit fünf Wochen an. Auch Raffinerien und Treibstofflager wurden erneut blockiert. Zuletzt waren vor Weihnachten mehr als 600.000 Franzosen gegen die Rentenreform auf die Straße gegangen, die Gewerkschaft CGT zählte dreimal so viele Teilnehmer.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Gewerkschaften wollten vor einer neuen Verhandlungsrunde mit der Regierung am Freitag den Druck erhöhen. „Wir sind noch weit entfernt von einer Einigung“, sagte der Chef des größten Gewerkschaftsbundes CFDT, Laurent Berger. Er drängte die Regierung, zumindest auf die geplante Erhöhung des Rentenalters von derzeit 62 auf 64 Jahre zu verzichten.

Berger sprach aber auch von einem „Zeichen der Öffnung“. Bei dem letzten Gespräch am Dienstag hatte sich Regierungschef Édouard Philippe positiv über die Gewerkschaftsidee geäußert, eine Konferenz für alternative Finanzierungsmöglichkeiten zu veranstalten.

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