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Vanessa Valkovic
Vanessa Valkovic, SWR3; Foto: SWR
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Beim Essen in Krankenhäusern wird gespart. Das hat offenbar schwerwiegende Folgen: Der RBB hat sich die Verpflegung in einem Berliner Krankenhaus angeschaut – das Ergebnis ist erschreckend.

Kliniken geben immer weniger Geld für Verpflegung aus. Das zeigt eine Studie des Deutschen Krankenhausinstituts. 2018 waren es demnach 3,84 Euro pro Tag und Patient. Im Jahr 2005 waren es dagegen noch etwa 60 Cent mehr – nämlich 4,45 Euro. Und das, obwohl im gleichen Zeitraum Lebensmittel teurer wurden. Nur 65 Prozent der Kliniken kochen selbst vor Ort. 2005 waren es noch 80 Prozent.

Für den Krankenhaus-Speiseplan gibt es nur Empfehlungen

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat Qualitätsstandards für die Verpflegung in Krankenhäusern entwickelt: Der beinhaltet täglich mehrmals Gemüse und Obst und zweimal wöchentlich Fisch.

Das Problem: Es handelt sich dabei um Empfehlungen – die Umsetzung ist nicht verpflichtend. Laut dem RBB haben sich lediglich vier Prozent der rund 2.000 Krankenhäuser in Deutschland von der DGE zertifizieren lassen. Es gibt bundesweit keine einheitlichen Standards für Krankenhausessen. Auch eine Überprüfung der Qualität findet nur selten statt.

Vielen Kliniken geht es finanziell schlecht

Für Karl Blum, Leiter des Geschäftsbereichs Forschung des Deutschen Krankenhausinstituts, ist das Problem eindeutig: „Die schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen treffen die Küchen besonders hart.“ Diese sei bei den Krankenhauskosten keine Priorität. Die Gerichte bestünden häufig aus Tiefkühlkost, die dann nur noch erwärmt werde, so Blum.

In vielen Krankenhausküchen gebe es zudem einen hohen Investitionsstau. Im Durchschnitt seien diese Küchen 29 Jahre alt – aber lediglich ein Drittel der Kliniken wolle hier in den kommenden drei Jahren investieren.

Im Dezember veröffentlichte die Krankenhausgesellschaft in Baden-Württemberg (BWKG) eine Umfrage: Der Mangel an qualifizierten Pflegern und Ärzten habe ein existenzbedrohendes Ausmaß angenommen. Die Kliniken schlagen Alarm – es fehle an Personal und Geld.

Ärztin: „Nicht nur ungesund, sondern geradezu toxisch“

Die RBB-Reporter Helena Daehler und Marcel Trocoli-Castro haben sich das Problem in einer zufällig ausgewählten Berliner Klinik näher angeschaut. Dort durften sie von dem Essen einer 70-jährigen Krebspatientin Proben entnehmen. Ein Labor für Lebensmittelchemie untersuchte diese – das Ergebnis ist erschreckend.

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Die Messwerte für die Vitamine A, C, D und E lagen alle im nicht nachweisbaren Bereich. Einzig das Vitamin B9 – also Folsäure – ist in der Statistik aufgetaucht. Während es an Vitaminen eher mangelt, ist der empfohlene Salzgehalt pro Mahlzeit um ein Vielfaches überschritten.

Sabine Schäfer ist Fachärztin für Ernährungsmedizin. Für sie sind die Werte katastrophal: „Es ist nicht nur ungesund, sondern geradezu toxisch und ernährt uns nicht.“ Sie rät: Lieber aufs Krankenhausessen verzichten – und stattdessen Angehörige kochen lassen.