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Mario Demuth
Mario Demuth, SWR3; Foto: SWR3
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Jeder wirft in Deutschland im Durchschnitt 85 Kilo Essen pro Jahr in den Müll. Das haben Forscher der Uni Stuttgart herausgefunden. Jedes dritte Lebensmittel müsste nicht weggeworfen werden – wenn man einfache Regeln beachtet.

Wissenschaftler der Uni Stuttgart ermittelten, dass pro Jahr in Deutschland fast 13 Millionen Tonnen Essen im Müll landen. Zu Hause wirft demnach jeder im Schnitt 85,2 Kilogramm Nahrungsmittel weg.

Das meiste Essen wird zu Hause weggeworfen

Bild von weggeworfenen Lebensmitteln in einer Mülltonne; Foto: picture alliance / dpa
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Die Studie bezieht sich auf Daten aus dem Jahr 2015. Analysiert wurden Abfallmengen von Haushalten, Landwirten, Lebensmittelverarbeitern, dem Handel und der Gastronomie. Mehr als die Hälfte – also knapp sieben Millionen Tonnen Lebensmittel – werfen Verbraucher zu Hause weg.

Die Forscher sagen, dass rund 40 Kilogramm vermeidbar wären. Viel braucht es dazu offenbar nicht: Verbraucher müssten Obst, Gemüse und Brot richtig lagern. Insgesamt sollten sie weniger kaufen und welken Salat, fleckige Äpfel oder Essensreste nicht bedenkenlos wegwerfen.

Zuerst „sehen, riechen, schmecken“

Verbraucherschutzministerin Julia Klöckner (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass „jeder entlang der Lebensmittelkette seinen Beitrag leisten“ könne. Sie erklärte erneut, dass man Essen nicht allein wegen eines abgelaufenen Mindesthaltbarkeitsdatums wegwerfen muss. Es gelte die Empfehlung: Zuerst „sehen, riechen, schmecken“. Erst dann solle man entscheiden, ob man ein abgelaufenen Produkt wirklich wegschmeißen muss.

Klöckner erinnerte dabei auch an die Ressourcen, die zur Herstellung von Essen notwendig sind. Bei einem Apfel seien das beispielsweise 70 Liter Wasser, bei einem Kilo Käse 5.000 Liter. Die Bundesregierung will bis 2030 die Menge an weggeworfenen Lebensmitteln halbieren.

So entstand die Studie

Genaue Zahlen über verschwendete Lebensmittel lassen sich nur sehr aufwendig ermitteln, denn Müll wird in der Regel nicht flächendeckend analysiert. Die Forscher der Uni Stuttgart um Studienleiter Gerold Hafner griffen unter anderem auf Abfallstatistiken zurück. Außerdem besuchten sie Bäckereien und Küchen großer Betrieben und untersuchten dort die Abfälle.

Eine Studie des WWF kam zu einem höheren Wert an weggeworfenem Essen in Deutschland. Demnach seien es 18 Millionen Tonnen. Experten schätzen, dass weltweit rund ein Drittel der Lebensmittel im Müll landet.