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Björn Widmann
Björn Widmann, SWR3; Foto: SWR3
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Die Botschaft ist klar: Geht am Donnerstag wählen – das möchte Großbritanniens Premierminister seinen Landsleuten ans Herz legen. Und das macht er mit Humor: Mit der Neuauflage eines Filmklassikers.

Boris Johnson im Brexit-Wahlkampf; Foto: Screenshot: youtube/Conservatives

Boris Johnson spielt im Spot eine Szene aus „Tatsächlich Liebe“ nach.

Screenshot: youtube/Conservatives

Er ist einer der schönsten Weihnachtsfilme: „Tatsächlich Liebe“. Zehn Paare, zehn Geschichten, die am Ende des Films zueinander finden. Da sind zum Beispiel der kleine Sam, der sich Hals über Kopf in eine Austauschschülerin verliebt oder der schräge Rockstar Billy Mack, der feststellt, dass sein Manager auch sein bester Freund ist.

Und dann ist da noch diese Dreiecksbeziehung: Mark (gespielt von „The Walking Dead“-Schauspieler Andrew Lincoln) ist verliebt in Juliet (Keira Knightley). Leider heiratet Juliet Marks besten Freund Peter. Das führt so weit, dass Mark allen Mut zusammennimmt und Juliet an Heiligabend seine Liebe gesteht – als „Weihnachtssänger“ mit Schildern in der Hand, auf die er alles Wichtige geschrieben hat.

Diese Szene hat sich Großbritanniens Ministerpräsident Boris Johnson als Vorbild genommen und möchte seinen Landsleuten damit Lust auf die Parlamentswahl am Donnerstag machen.

Boris Johnsons Parodie von „Tatsächlich Liebe“

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Johnson als „Weihnachtssänger“

Die Story: Irgendwo in Großbritannien klingelt Johnson an einer Haustür. Eine Frau öffnet, Johnson hält ihr ein Schild mit der Aufschrift „Sag, es sind die Weihnachtssänger“ vor die Nase, lässt ein Weihnachtslied aus einem tragbaren Radio abspielen und beginnt, seine Botschaft loszuwerden.

Im Gegensatz zu „Tatsächlich Liebe“ buhlt Johnson aber nicht um das Herz der Hausbesitzerin, sondern um ihre Stimme bei der Parlamentswahl: „Wir müssen den Brexit durchziehen (wenn das Parlament nicht wieder blockiert)“, schreibt Johnson auf den Schildern.

Alles nur von Labour geklaut?

Johnsons Wahlspot wurde in den Onlinediensten rasch zum Erfolg und bis Dienstagmittag mehr als eine Million Mal angeklickt. Zugleich handelte sich der Premierminister Plagiatsvorwürfe ein, da die bekannte Labour-Politikerin Rosena Allin-Khan bereits am 22. November eine eigene Imitation der Szene aus „Tatsächlich Liebe“ veröffentlicht hatte.

Das Original: So sieht die Szene in „Tatsächlich Liebe“ aus

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Johnson liegt vor Corbyn

Der Spot, in dem sich Johnson auch selbst auf die Schippe nimmt, hat durchaus einen ernsten Hintergrund. Eine YouGov-Umfrage zeigt, dass Johnson mit seinen Konservativen schwächelt hat und der Abstand zu der oppositionellen Labour-Partei geringer geworden ist.

Deswegen schreibt Johnson auf einem der Schilder im Spot: „Deine Stimme war noch nie so wichtig“. Johnson spielt auf seinen Widersacher Jeremy Corbyn an, der in den Umfragen auf Johnson aufgeholt Johnson hat: „Der andere Typ könnte gewinnen, also musst Du Dich entscheiden“.

Corbyn auf deutlich weicherem Kurs

Im Gegensatz zum harten Brexit-Kurs von Boris Johnson fährt Jeremy Corbyn eine andere Strategie: Nach einem Wahlsieg will er das Brexit-Abkommen mit der EU nochmal nachverhandeln und dabei erreichen, dass die Rechte der britischen Arbeitnehmer gestärkt werden. Über das neue Abkommen soll es dann eine neue Volksabstimmung geben.

Welche der beiden Strategien bei den Briten besser ankommt, wird sich morgen zeigen: Dann sind etwa 46 Millionen Menschen im Königreich dazu aufgerufen, sich zu entscheiden. Johnson hofft auf eine satte Mehrheit, um sein Brexit-Abkommen durchs Parlament zu bringen und sein Land zum 31. Januar aus der Europäischen Union führen zu können.

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Björn Widmann
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