Wie sieht es im Irak heute aus? Der Fotograf und Künstler Kevin McElvaney hat Menschen im Nordirak für sein Videoprojekt vor einen Spiegel gesetzt. Sie sollten sich selbst ansehen und sich ihre Zukunft vorstellen.

Jahrelanger Krieg, tausende Terroranschläge, bürgerkriegsähnliche Zustände: Der Irak, vom Krieg gezeichnet – zum Teil vom Islamischen Staat besetzt. Der Hamburger Fotograf Kevin McElvaney ist im vergangenen Jahr in den Nordirak gereist, um die Menschen dort kennenzulernen. Er wollte ihre Geschichten hören. Er wollte wissen, was die Bewohner der autonomen Region Kurdistan aus ihrer Vergangenheit und ihrer Gegenwart erzählen. Und er wollte sehen, was sie über ihre Zukunft träumen. Das Videoprojekt von Kevin McElvaney wurde an der Berlinale vorgestellt.

Kevin McElvaney; Foto: Youtube: Kevin McElvaney

Kevin McElvaney ist ein sozialkritischer Fotograf, dem es gelingt, die Menschen in den Mittelpunkt zu stellen.

Youtube: Kevin McElvaney

„The Mirror Project“: Menschen stehen im Mittelpunkt

Dafür setzte er seine Interviewpartner alleine in einen Raum, vor einen Spiegel – dahinter die Kamera, die alles aufzeichnet. Ob Hanna Kamal Ibrahim oder Pater Youssef Inrahaim – alle bekamen die gleichen sechs Fragen gestellt. Zwölf Minuten lang hatten sie Zeit zum antworten. Dabei konnte jeder selbst entscheiden, was er erzählen will und wie detailliert er antwortet. Die ersten fünf Fragen lauteten: Wie ist dein Name? Erzähl etwas über dich? Erzähl über eine schwierige Situation in der du warst? Erzähl uns über eine wichtige Sache, die du in der Vergangenheit erlebt hast? Beschreibe deine aktuelle Situation und wie du darüber fühlst?

Doch die letzte Frage, so schreibt Kevin McElvaney auch auf seiner Seite, sollte das soziale Experiment vervollständigen, denn eine Theorie des Psychologen Arthur Aron besagt, dass vier Minuten Augenkontakt grundlegend verändern, wie wir Menschen sehen.

Pater Youssef Ibrahaim; Foto: Youtube: Kevin McElvaney

Pater Youssef Ibrahaim schaut in den Spiegel und denkt an seine Zukunft. Er soll dabei nicht reden.

Youtube: Kevin McElvaney

Träume über deine Zukunft

Die sechste Frage war allerdings weniger eine Frage, sie war mehr eine Anweisung. Und so sollten die Interviewpartner sich ihre Zukunft vorstellen. Dabei sollten sie einfach nur in den Spiegel schauen, sie sollten nicht reden und nicht sagen, was sie sehen. Der Betrachter am Bildschirm sieht der Person im Moment der Selbstreflexion zu – ein intimer Moment der Stille. Kevin McElvaney stellte sich die Frage: Was passiert in jenen Minuten mit dem Interviewten? Berührt oder gar verändert die Erfahrung auch uns als Zuschauer? Seht selbst: Alle Videos gibt's hier.