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Gute Nachrichten für Reisende, die mit Thomas Cook derzeit unterwegs sind: An Hotels soll wieder Geld fließen. Für die Kunden, die noch nicht losgeflogen sind, gibt es hingegen schlechte Nachrichten. Welche Optionen haben sie? Ein Rechtsexperte beantwortet Fragen der SWR3-Hörerinnen und -Hörer.

Ausländische Hotels mit Urlaubern von Thomas Cook Deutschland bekommen Geld von der Versicherung. Es handle sich um die Hälfte der ausstehenden Zahlungen, hat die Zurich-Versicherung mitgeteilt. Eine Bedingung sei aber, dass die Urlauber von den Hotels nicht aufgefordert würden, selbst zu bezahlen oder anderweitig genötigt würden.

Urlauber mussten offenbar vor Ort zahlen

Zuvor hatte es Berichte darüber gegeben, dass Hotelgäste ihre Unterkünfte vor Ort selbst bezahlen mussten. Der Deutsche Reiseverband und Verbraucherschützer hatten das scharf kritisiert. Nach Angaben von Donnerstag waren noch 70.000 Thomas Cook-Pauschalurlauber aus Deutschland unterwegs.

Reisen bis 31. Oktober abgesagt

Die nun angekündigten Auszahlungen an Hotels durch die Zurich Versicherung helfen allerdings nur den Reisenden, die derzeit noch unterwegs sind. Für Thomas-Cook-Kunden, die erst noch in den Urlaub fliegen wollen, sieht es schlecht aus. Am späten Donnerstagabend teilte das Unternehmen mit, alle Reisen bis einschließlich 31. Oktober würden abgesagt. Dies gelte auch für solche Buchungen, die schon bezahlt sind. Betroffene können sich an den Versicherer von Thomas Cook wenden. Die Schadensabwicklung übernehme der Dienstleister KAERA im Auftrag der Zurich Insurance. Telefon 06172/99761123.

Wie es um Reisen mit Start ab dem 1. November 2019 steht, ließ das Unternehmen offen. In Abstimmung mit der Insolvenzversicherung werde die weitere Vorgehensweise geprüft, hieß es. Grundsätzlich ist für diese Fälle auch die Versicherung Zurich zuständig. Der Verkauf neuer Reisen ist gestoppt.

Fragen aus SWR3Land

Urlauber auf Mallorca; Foto: picture alliance/Isaac Buj/Europa Press/dpa

Gestrandete Urlauber auf dem Flughafen von Palma de Mallorca.

picture alliance/Isaac Buj/Europa Press/dpa

Viele Reisende und solche, die bald ihren Urlaub antreten wollen, sind verunsichert. Kay Rodegra, Rechtsanwalt aus Würzburg, hat einige ihrer Fragen in SWR3 beantwortet. Seine Kanzlei hat sich auf Fluggastrechte und Reiserecht spezialisiert.

Wir fliegen im November in die Karibik. Der Flug geht mit Condor nach England und sollte dann mit Thomas Cook weiter nach St. Lucia gehen. Ist das jetzt alles weg? Bekommen wir den Condor-Flug ersetzt?

Es kommt darauf an, mit wem die Kundin ihren Vertrag über den Flug in die Karibik geschlossen hat. Wenn es Condor war, muss Condor auch die Flugleistung erbringen – also für Ersatz für den Anschlussflug ab England sorgen. Ggf. wird die Streckenführung etwas anders, aber nach St. Lucia muss die Hörerin gebracht werden.

Hat die Hörerin nur den Flug bis England bei Condor gebucht und den Anschuss bei Thomas Cook, sieht es schlecht aus. Auf den Kosten für einen Ersatzflug ab England bleibt die Kundin wohl sitzen.

110 Millionen Euro über die Insolvenzversicherung

Wir wollen am Donnerstag mit Bucher-Reisen eine Pauschalreise nach Griechenland antreten, unsere Airline ist Condor. Auf dem Sicherungsschein steht, dass das Geld eventuell nur anteilig zurückkommen kann. Was gilt jetzt hier?

Wird eine Pauschalreise abgesagt, weil der Reiseveranstalter pleite ist, kann sich der Urlauber an die Insolvenzversicherung des Reiseveranstalters wenden und die Rückerstattung des Reisepreises verlangen.

Die Insolvenzversicherung kann aber einen Höchstbetrag festlegen, nämlich von 110 Millionen Euro fürs Geschäftsjahr – mehr muss sie dann nicht für alle Kunden zusammen erbringen. Und wenn dieser Betrag erreicht ist, dann kann es in der Tat sein, dass ein Urlauber seinen Reisepreis nur anteilig erstattet bekommt.

Ich habe noch zwei Reisegutscheine über 500 Euro. Sind die jetzt verloren oder haben ich eine Chance, das Geld zurückzubekommen?

Hat man noch einen Reisegutschein von einem Reiseveranstalter, der Insolvenz angemeldet hat, sieht es eher schlecht aus. Man kann versuchen seine Forderung beim Insolvenzverwalter geltend zu machen, aber ob man jemals Geld sieht, ist doch eher fraglich.

Wie sieht es aus mit Thomas-Cook-Reisen innerhalb von Deutschland?

Auch Pauschalreisen mit dem Ziel Deutschland sind vom Pauschalreiserecht umfasst. Sagt ein zahlungsunfähiger Reiseveranstalter die Reise ab, kann der Urlauber von der Insolvenzversicherung des Reiseveranstalters den Reisepreis zurückfordern. Dieser muss den Reisepreis unverzüglich erstatten.

Wir haben eine USA- und Hawaii-Reise bei Neckermann gebucht und auch schon bezahlt. Wir haben nur Voucher von Neckermann für die Hotels. Sind die noch gültig?

Wer nur ein Hotel bucht, schließt keine Pauschalreise ab. Es handelt sich um einen Beherbergungsvertrag. Für diese Vertragsarten gilt nicht das Pauschalreiserecht und die Kundengelder sind nicht über eine Insolvenzversicherung abgesichert, sollte der Reiseveranstalter Pleite gehen: Es kann also sein, dass der Kunde hier auf seinem Schaden sitzen bleibt.

Condor-Reisen am Jahresende?

Wir haben für den Weihnachtsurlaub über Neckermann gebucht, die Flüge werden über Condor abgewickelt. Hat man durch die Insolvenz nun das Recht, die Reise bei Neckermann zu stornieren oder sagt Neckermann die Reisen selbst ab?

Wer einen Urlaub bei den betroffenen Reiseveranstaltern gebucht hat, der erst in einigen Wochen starten soll, muss sich leider noch ein wenig in Geduld üben. Es steht ja noch gar nicht fest, ob die betroffenen Reiseveranstalter den Betrieb aufrechterhalten oder nicht.

Erst wenn die Reisen endgültig abgesagt werden, kann man den Reisepreis zurückfordern beziehungsweise seine Forderung bei der Insolvenzversicherung des jeweiligen Reiseveranstalters geltend machen.

Selbst zu stornieren ist keine gute Idee, es könnten Stornokosten anfallen.

Autor
SWR3