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Laura Bisch
Laura Bisch, SWR3; Foto: SWR3
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Wer durch Tirol fahren will, der muss das weiterhin auf der Autobahn machen. Denn: Tirol sperrt seine Landstraßen seit Ende Juni jedes Wochenende für den Transitverkehr – also für alle, die das österreichische Bundesland nur durchfahren. Jetzt werden die Sperrungen ausgeweitet.

Seit Ende Juni und noch bis zum 14. September, immer von Samstagmorgen 7:00 Uhr bis Sonntagabend 19:00 Uhr, sind bestimmte Tiroler Landstraßen für alle Lkw, Pkw und Motorräder gesperrt, die das Land nur durchfahren.

Wer ist von den Sperrungen betroffen – und wo?

Dabei geht es vor allem um solche Fahrer, die entweder Mautgebühren sparen oder Grenzkontrollen umfahren möchten. Ein Sprecher des Bundeslandes betonte allerdings, dass die Maßnahme nicht nur für „Ausländer“ gilt, sondern auch für den innerösterreichischen Durchgangsverkehr.

An diesem Samstag gelten erstmals die ausgeweiteten Fahrverbote in Tirol – dann sind auch Nebenstrecken betroffen: Neben der Region um Innsbruck werden dann auch Landstraßen in den Bezirken Kufstein und Reutte gesperrt.

Nicht mal der Rettungsdienst kommt durch

Weil so viele Leute die Tiroler Landstraßen als Ausweichroute benutzen, seien diese besonders am Wochenende häufig verstopft. Der Sprecher von Tirol sagte, die Straßen seien oft so überfüllt, dass sogar Rettungsdienste Probleme hätten, durchzukommen.

Niemand will sich vorstellen, was los ist, wenn die Rettung dringend gebraucht wird und niemand mehr durchkommt.

Florian Kurzthaler, Sprecher des Landes Tirol

Wie will Österreich das Verbot kontrollieren?

Die Sperrungen der betroffenen Landstraßen werden deshalb in das Verkehrsinformationssystem des österreichischen Innenministeriums eingespielt. Darauf greifen wiederum zahlreiche Navigationsgeräte zu.

Wir sind zuversichtlich, dass die Navis die Strecke dann so berechnen, dass es zu keinem Ausweichverkehr kommt.

Sprecher der österreichischen Polizei

Da unklar ist, ob alle Navi-Betreiber diese Daten auch einspeisen, werden an den gesperrten Ausweichrouten Polizeistreifen postiert.

Bringen die Verbote was? ADAC ist skeptisch

Ob die Fahrverbote letztendlich den gewünschten Effekt zeigen, bleibt abzuwarten. Nach Ansicht des ADAC in München werden die Fahrverbote wahrscheinlich schwer zu
kontrollieren sein. Wer von der Polizei bei der Autobahnabfahrt angehalten werde, könne ja immer eine Ausrede finden – etwa dass er im nächsten Ort zum Essen gehen wolle, meinte ein ADAC-Sprecher.

Deutschland und Italien drohen mit Klage gegen Österreich

Und auch Deutschland und Italien sind wenig begeistert von den Fahrverboten in dem österreichischen Bundesland. Die beiden Länder hatten gedroht, auf EU-Ebene gegen Österreich zu klagen. Von der EU haben sie dafür Rückendeckung bekommen: Die EU-Kommission hat vor allem die umstrittene Blockabfertigung für Lastwagen an der Grenze nach Österreich klar kritisiert. Dort werden Lastwagen oft stundenlang gestoppt und erst in Stößen von rund 300 Fahrzeugen durch den Brenner gelassen.

Wir haben die Behörden in Österreich darüber informiert, dass wir die häufige Anwendung der Maßnahme missbilligen.

EU-Kommissarin Violeta Bulc

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