Ein Unfall im Spessart, drei Menschen sterben. Dann kommt die Feuerwehr, um zu helfen, Gaffer filmen. Ein Feuerwehrmann spritzt Wasser auf ihre Fahrzeuge. Sollte er dafür bestraft werden? Feuerwehr, Polizei, Facebook-User und Rechtsanwälte streiten.

Vergangenen Donnerstag starben auf der A3 im bayerischen Spessart drei Menschen. Ein Kieslaster war umgekippt, ein weiterer Lkw wollte ausweichen, er durchbrach die Mittelleitplanke und stieß mit einem entgegenkommenden Transporter zusammen. Der Fahrer des Kieslasters und zwei Transporter-Insassen wurden dabei tödlich verletzt.

„Einfach der Kragen geplatzt“

So furchtbar der Unfall auch war, er wäre vermutlich eine regionale Sache geblieben. Wäre da nicht der Feuerwehrmann gewesen, der Gaffer mit Wasser bestrafte. Als Autos und Lastwagen nur im Schritttempo an der Unfallstelle vorbei geleitet werden konnten, zückten einige Fahrer die Handys und filmten den Abtransport der Unfallopfer.

Für den Feuerwehrmann war das wohl das Allerletzte. Er bestrafte die Gaffer, indem er ihre Fahrzeuge mit dem Wasserschlauch bespritzte.

Das war kein geplanter Entschluss. Dem Kollegen ist einfach irgendwann der Kragen geplatzt.“

Otto Hofmann, Chef der Einsatztruppe und Kreisbrandinspektor im SWR

Denn: Auch mit langjähriger Erfahrung sei der Einsatz an die „Leistungsgrenze der Ehrenamtlichen“ gegangen.

Auf Facebook wurde der Feuerwehrmann für die Aktion gefeiert.

Feuerwehr bespritzt Unfall-Gaffer mit Wasser

Mit Wasser gegen Gaffer nach schwerem Unfall auf der A3.

Posted by BR24 on Thursday, November 9, 2017

Doch die „Bild-Zeitung“ und die Würzburger Main Post zitieren einen Rechtsanwalt, für den diese Maßnahme einem „gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr“ gleichkommt. Deswegen müsse nun eigentlich die Staatsanwaltschaft ermitteln.

Und auch die Polizei Unterfranken stellte in einer Mitteilung klar: „Die Polizei ist sich mit der Feuerwehr für künftige Einsätze einig, dass das Anspritzen von Gaffern mit Wasser kein adäquates Vorgehen für Einsatzkräfte darstellt.“ Die Polizei sei für die Ahndung zuständig und man habe vor Ort auch von einigen Gaffern die Personalien aufgenommen.

Feuerwehr: Unfall darf nicht ins Hintertreffen geraten

Von seinen Kollegen bekommt der Feuerwehrmann aber Unterstützung. Es sei zwar so nicht abgesprochen gewesen, doch auch die Polizei vor Ort habe das Nassspritzen nicht unterbunden. „Wir machen ihm keinen Vorwurf“, sagteThomas Rollmann, Sprecher der Feuerwehr in Aschaffenburg, dem BR. „Er hat aus der Situation heraus gehandelt und keiner von den Führungskräften vor Ort hat ihn gestoppt.“

Auch für Otto Hofmann ist klar, dass so etwas nicht wieder passieren dürfe. „Wir als Feuerwehr fühlen uns damit natürlich nicht gut“, sagte er dem SWR. Man müsse jetzt abwarten, wie die Staatsanwaltschaft das beurteile. Für viele der Einsatzkräfte sei aber besonders schwer zu verstehen, dass „so ein schwerer Einsatz mit drei Toten“ nun durch die Gaffer und die Aktion des Kollegen nun ins Hintertreffen gerate.