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Es war einer der dramatischsten Tiefpunkte der Flüchtlingskrise vor zwei Jahren: 71 Flüchtlinge erstickten qualvoll in einem Kühllaster auf der österreichischen Autobahn. Jetzt ist das Urteil gegen die Schleuser gefallen.

Der Laster mit den Flüchtlingen ist im August 2015 unterwegs von Ungarn über Österreich nach Deutschland. Männer, Frauen und Kinder aus Syrien, Afghanistan, dem Iran und dem Irak sind auf der Ladefläche zusammengesperrt. Als die Luft zum Atmen knapp wird, fangen sie an zu klopfen und zu rufen.

Der bulgarische Fahrer hält nicht an. Doch er ahnt, dass etwas nicht stimmt. Er stellt den Laster an der Autobahn ab und verschwindet. Spätestens drei Stunden nach ihrer Abfahrt waren die Flüchtlinge qualvoll erstickt.

Gericht spricht von Tötung

Der Fahrer und drei seiner Komplizen wurden zu jeweils 25 Jahren Haft verurteilt. Das Gericht in Kecskemet (Südungarn) sah es als erwiesen an, dass die drei Bulgaren – der Fahrer des Lastwagens, der Fahrer des Begleitfahrzeugs und ein Organisator – sowie der afghanische Bandenchef die 71 Menschen getötet haben. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Zehn weitere Schleuser verurteilt

Angeklagte kommen in Gerichtssaal; Foto: dpa/picture-alliance

Vor etwa einem Jahr begann der Prozess gegen die angeklagten Schleuser.

dpa/picture-alliance

Der Prozess gegen die mutmaßlichen Verantwortlichen begann vor knapp einem Jahr in Kecskemet. In dem komplexen Verfahren wurden 25 weitere Schlepperfahrten nach Deutschland und Österreich verhandelt.

Neben den Verantwortlichen für die Toten im Kühllaster standen zehn weitere Männer aus Bulgarien, Afghanistan und dem Libanon vor Gericht. Sie erhielten Haftstrafen zwischen drei und zwölf Jahren.

Autor
Katharina Kunz
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SWR3