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Björn Widmann
Björn Widmann, SWR3; Foto: SWR3
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Kurz vor Ende des G7-Treffens im französischen Biarritz schlägt der US-Präsident versöhnliche Töne an. Nach 31 Monaten im Amt will er demnächst zu einem offiziellen Besuch nach Deutschland kommen.

In den letzten Wochen und Monaten hatte US-Präsident Donald Trump nicht sehr viel übrig für Deutschland und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Seine abwertende Meinung hat der launenhafte Amerikaner beim G7-Gipfel jetzt geändert – und will schon bald zu einem Besuch nach Deutschland kommen.

Ein Datum für Trumps Besuch gebe es aber noch nicht, sagte Kanzlerin Merkel am Rande des G7-Gipfels. Sie habe Trump aber schon mehrfach eingeladen. Jetzt endlich die Zusage: „Ich habe Deutsches im Blut“, sagte Trump. Seine Vorfahren stammen aus Kallstadt an der Weinstraße in Rheinland-Pfalz.

Riesenaufgabe für Kallstadt?

Neben politischen Gesprächen in Berlin könnte Trump auch tatsächlich nach Rheinland-Pfalz kommen – das wäre für Kallstadt eine Riesenaufgabe, den Besuch zu bewältigen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind enorm, der amtierende US-Präsident reist auch mit einem riesigen Tross von mehreren Dutzend Mitarbeitern.

US-Botschafter Richard Grenell hatte einen Trump-Besuch in Kallstadt schon vergangenes Jahr in Aussicht gestellt. „Ich weiß nicht wann, aber er hat mir gesagt, dass er kommen und den Heimatort seiner Familie sehen will“, sagte Grenell im Dezember.

Trump hat neuen Freund

Trump und Johnson; Foto: Imago
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Beim G7-Gipfel in Biarritz hat Trump aber nicht nur seine Liebe für Deutschland entdeckt, sondern auch seine Liebe für Großbritannien. Am Wochenende ist Trump erstmals mit dem neuen britischen Premierminister Boris Johnson zusammengekommen. Trump unterstützt den harten EU-Austrittskurs Johnsons. Und dabei fiel auf: Die beiden verstanden sich blendend.

Trump stellt „fantastisches“ Handelsabkommen in Aussicht

Der US-Präsident hat Großbritannien für die Zeit nach dem Brexit ein „fantastisches“ Handelsabkommen mit den USA in Aussicht gestellt. Auch seine Begegnung mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sei ihr bisher bestes Treffen überhaupt gewesen, erklärte Trump auf Twitter.

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Proteste am Rande von G7

Bei Protesten am Rande der Veranstaltung sind mehrere Dutzend Menschen festgenommen worden. Dabei gehe es um Vorwürfe wie Verstoß gegen das Vermummungsverbot, Steinwürfe und geplanten Vandalismus.

In Bayonne, der Nachbarstadt von Biarritz, waren am Abend bei einer ungenehmigten Demonstration Steine geflogen, die Sicherheitskräfte setzten Wasserwerfer und Tränengas ein. Berichte über Verletzte lägen nicht vor, ergänzte die Regionalverwaltung. Insgesamt sind über 13.000 Sicherheitskräfte im Einsatz.

Um was geht's überhaupt?

Vordergründig um ein Treffen wichtiger Industrienationen. Die sieben Staaten sind Deutschland, Frankreich, die USA, Großbritannien, Japan, Italien und Kanada. Auch Russland war mal dabei, die G8 existierten aber nur kurz. 2002 kamen die Russen, 2014 wurden sie nach Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim wieder ausgeschlossen.

Präsident Emmanuel Macron hat das Motto „Wie können wir Ungleichheit auf der Welt bekämpfen?“ für den Gipfel gewählt. Zum Treffen eingeladen sind auch Vertreter von Staaten aus Afrika, der Weltbank, der Welthandelsorganisation sowie Gewerkschaftsvertreter.

Donald Trumps Agenda auf dem G7-Treffen in Biarritz; Foto: Reuters

Nachrichten Donald Trumps Agenda auf dem G7-Treffen in Biarritz

Dauer

Was können die G7 errreichen?

Verbindliche Beschlüsse gibt es nicht. Umso wichtiger ist das „Kleingedruckte“ des Treffens. Was die Staaten bei dem Treffen besprechen, kann sie natürlich beeinflussen. Möglicherweise inspiriert es sie, Politik auf nationaler Ebene anders anzugehen. Eigentlich dienen die Gipfel dazu, dringende aktuelle Probleme auf der Welt zu besprechen. Es kann aber auch kleinteiliger werden:

Etwa beim Gipfel 2018, nach dem Trump nicht nur seine Zustimmung zur Abschlusserklärung zurückzog. Wegen eines Tweets von Kanadas Premier Justin Trudeau twitterte Trump seinerseits als auch die Drohung: „Wir werden uns Zölle auf Autos anschauen, die den US-Markt fluten.“ – die dann allerdings nicht kamen.

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Warum die Proteste?

Die Menschen, die bei einem Protestcamp nahe Biarritz ihre Zelte aufgeschlagen haben, sind gegen bestimmte Formen der Globalisierung, gegen die Finanzpolitik der sieben reichsten Industriestaaten sowie gegen die Regierungen selbst.

Proteste gegen G7 am Freitagabend; Foto: picture alliance/Emilio Morenatti/AP/dpa
picture alliance/Emilio Morenatti/AP/dpa

Einer der Protestierenden, Hugo Braun, sagte der Deutschen Welle: „Die Führer der mächtigsten Staaten, die sich beim Gipfel in Biarritz versammeln, maßen sich an, Entscheidungen zu treffen, die gewollt oder ungewollt Auswirkungen auf die ganze Welt haben. Das sollten eigentlich die Vereinten Nationen machen, die dafür entsprechende Gremien haben.“

Warum gibt es den Gipfel überhaupt?

Als das Treffen 1975 zum ersten Mal stattfand, ging es um die Wirtschaft. So auch in den weiteren Jahren. Früher waren die sieben Staaten auch die größten Industrienationen, jetzt fehlen China (Platz 2) und Indien (Platz 7).

Später kamen dann andere Krisen und weitere globale Fragen dazu, wie etwa die Klimakrise und was dagegen getan werden kann. Heute etwa wird vermutlich auch über die Waldbrände im Amazonas gesprochen. Macron hatte das angeregt, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) pflichtete ihm bei.