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Tim Stobbe
Tim Stobbe, SWR3; Foto: SWR3
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US-Präsident Donald Trump hat die Tötung des iranischen Generals Qassem Soleimani verteidigt. Die USA hätten einen Krieg stoppen, nicht beginnen wollen. Weiterhin ist unklar, wie die angekündigte Vergeltung des Iran aussehen wird.

Der General habe Angriffe auf amerikanische Soldaten und Militärangehörige im Irak geplant, sagte Trump in seinem Golfclub in Mar-a-Lago im US-Bundesstaat Florida. Sie hätten unmittelbar bevor gestanden, so Trump.

Wir haben gehandelt, um einen Krieg zu stoppen ... nicht, um einen Krieg zu beginnen.

US-Präsident Donald Trump

ARD-Korrespondent Stefan Niemann berichtet im Video über die Ansprache des Präsidenten.

Berichte über neuen US-Angriff im Irak

Mehrere Medien hatten berichtet, die USA hätten auch in der Nacht auf Samstag wieder Fahrzeuge bei Bagdad angegriffen – und zwar einen Konvoi einer pro-iranischen Miliz. Ein Sprecher des US-Militärs bestritt dies jedoch. Ihm sei nichts über neue Angriffe bekannt, sagte er laut New York Times. Auch das irakische Militär dementierte einen erneuten Angriff.

Tausende Iraker haben in der irakischen Hauptstadt Bagdad an einem Trauerzug für den iranischen General Qassem Soleimani und den irakischen Milizenführer Abu Mehdi al-Muhandis teilgenommen. Sie skandierten nach Angaben eines Mitarbeiters der französischen Nachrichtenagentur AFP „Tod für Amerika“.

Nahost-Experte: „Asymmetrischer Krieg hat schon begonnen“

Der Iran hatte nach der Tötung des hochrangigen Generals Vergeltung angekündigt. Der iranische Außenminister Javad Zarif sagte, Iran wolle juristisch gegen die USA vorgehen. Der Angriff sei „Staatsterrorismus“, der Grundsätze des internationalen Rechts verletze.

Weniger diplomatisch äußerte sich der Kommandeur der iranischen Revolutionsgarde, wie ARD-Iran-Korrespondentin Natalie Amiri auf Twitter berichtet. Demnach wolle die Garde Amerika bestrafen, wo immer es für sie erreichbar sei. Dazu gehörten 35 Stellungen in der Region sowie die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Schiffshandelsrouten der Welt.

Für Nahost-Experte Volker Perthes steht außer Frage, dass das Land diese Drohungen auch wahr machen wird. Allerdings nicht sofort, sagte er in den Tagesthemen im Ersten.

Ein Angriff wird zu einem Zeitpunkt und an einer Stelle kommen, wo weder wir noch die Amerikaner es erwarten. Das wird nicht unmittelbar sein – aber es wird kommen.

Nahost-Experte Volker Perthes

Wahrscheinlich seien weitere gezielte Angriffe: „Es wird einen asymmetrischen Krieg geben, der ja schon begonnen hat“, sagte Perthes. Beispiele der Vergangenheit seien die Angriffe auf Schiffe im Persischen Golf oder auf US-Einrichtungen im Irak. Bislang hatten die USA wie auch Iran versucht, dass bei den Angriffen keine Menschen sterben oder verletzt werden

Mit der Tötung Soleimanis haben die USA in dem Konflikt jedoch einige Eskalationsstufen übersprungen. Künftige Angriffe könnten daher „noch ganz andere Dimensionen einnehmen“, sagte der Nahost-Experte. „Dass Top-Leute umgebracht werden – das haben sich die USA und ihre Gegner im Nahen und Mittleren Osten bisher nicht geleistet“, so Perthes.

Pressespiegel zur Tötung von Qassem Soleimani