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Björn Widmann
Björn Widmann, SWR3; Foto: SWR3
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Nach zwei bestätigten Fällen an Schulen in Bad Schönborn sind mittlerweile 48 Menschen mit der Lungenkrankheit infiziert. SWR3 klärt auf, warum das Gesundheitsamt trotzdem keinen Grund zur Panik sieht.

Vor einer Woche sind an zwei Schulen in Bad Schönborn im Kreis Karlsruhe zwei Schüler an Tuberkulose erkrankt. Ein Schüler aus der achten Klassenstufe an einer Gemeinschaftsschule und ein Schüler an einer Grundschule. Mittlerweile ist die Zahl der Infizierten auf 48 gestiegen, hat das Landratsamt Karlsruhe SWR3 bestätigt.

Aber: Es gebe keinen Grund zur Sorge. „Tuberkulose ist sehr gut behandelbar“, sagte uns der Leiter der Abteilung Gesundheitsschutz im Landratsamt Karlsruhe, Dr. Ulrich Wagner. „Trotzdem sind wir überrascht von der hohen Zahl der Fälle.“ Sie alle stammen aus der Gemeinschaftsschule. Der Grundschüler sei nur „wenig ansteckend“ gewesen.

Langwierige Behandlung von Tuberkulose

Röntgenaufnahme; Foto: picture alliance/Rainer Jensen/dpa

Eine Ärztin wertet das Röntgenbild einer Lunge aus

picture alliance/Rainer Jensen/dpa

Ganz anders der Schüler der achten Klasse an der Michael-Ende-Gemeinschaftsschule. Bei ihm war die Tuberkulose ansteckender. Zur Zeit sei der Schüler aber in Behandlung. „In der Regel sind Tuberkulose-Patienten nach drei Wochen medizinischer Behandlung nicht mehr ansteckend“, sagte Wagner. Trotzdem ist eine Tuberkulose-Behandlung langwierig: „Sie dauert mindestens sechs Monate und die Patienten müssen verschiedene Medikamente einnehmen.“ Hauptsächlich wird Tuberkulose mit Antibiotika behandelt.

Und wie merkt man, dass man sich angesteckt hat? Zuerst mal gar nicht. Zu Beginn ist eine Infektion nur mit einem Bluttest nachweisbar. Fällt der positiv aus, schickt man die Patienten – wie in Bad Schönborn – zum Röntgen der Lunge. Auf den Bildern kann man die Bakterienherde dann erkennen. Wichtig sei, so der Mediziner, dass man zwischen Infektion und Erkrankung unterscheide: „Nur ein kleiner Teil der Infizierten wird überhaupt krank. Im Regelfall kann die körpereigene Abwehr die Bakterien ganz gut in Schach halten.“

Symptome: Husten, müde, schlapp

Husten; Foto: picture alliance / Angelika Warmuth/dpa

Eine Schülerin hält sich beim Husten die Hand vor den Mund

picture alliance / Angelika Warmuth/dpa

Bricht die Krankheit dann doch irgendwann aus, können Wochen, Monate oder in seltenen Fällen sogar Jahre vergangen sein: „Das Gemeine an der Tuberkulose ist, dass sie eigentlich unsymptomatisch beginnt“, erklärt Wagner. Viele Patienten haben über Wochen Husten, fühlen sich schlapp und müde. Erst nach einem längeren Krankheitsverlauf komme in vielen Fällen noch Nachtschweiß dazu. Als letztes Symptom dann Gewichtsverlust: „Daher stammt auch der alte Name der Tuberkulose, Schwindsucht.“

Infektion heißt nicht gleich krank

Grundsätzlich gilt: Wer sich angesteckt hat, aber keine Symptome bekommt, hat auch keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu befürchten. Sollte die Krankheit doch irgendwann ausbrechen, ist man nicht automatisch ansteckend. „Erst wenn die Bakterien in der Lunge durchbrechen und mit der Atemluft aus den Atmungsorganen geschleudert werden, kann man andere Menschen anstecken“, sagt Wagner. Grundsätzlich sei Tuberkulose aber eine niedrigansteckende Krankheit. „Man sagt, dass man mindestens acht Stunden mit einem Tuberkulosekranken die Luft in einem Raum teilen muss, um sich anzustecken“, beruhigt der Mediziner.

Tuberkulose gar nicht selten

Tuberkulose-Erreger; Foto: picture alliance / dpa

Der Tuberkulose-Erreger Mycobacterium tuberculosis

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Auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht so aussieht, Tuberkulose ist in Europa keine seltene Krankheit. Alle zwei Minuten wird die Krankheit in der EU diagnostiziert, berichtet die Weltgesundheitsorganisation WHO. In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 5.500 Menschen, etwa 100 von ihnen sterben.

Ziel der WHO ist es, die Krankheit in der EU bis 2050 auszurotten. Das soll in mehreren Stufen geschehen: Auf 100.000 Einwohner soll es weniger als 20 Fälle (2030) geben, erst dann gilt sie als ausgestorben. Bis 2035 sollen es weniger als zehn Fälle sein. Erst für 2050 ist weniger als ein Fall auf eine Million Einwohner das Ziel.


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