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Mario Demuth
Mario Demuth, SWR3; Foto: SWR3
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Politik hat auf dem Spielfeld nichts zu suchen. Das besagen die Regeln der Uefa. Einige Spieler der türkischen Nationalmannschaft haben dennoch in zwei EM-Qualifikationen mit einem Militärgruß salutiert. Das könnte Folgen haben.

Seit knapp einer Woche läuft die Militäroffensive der Türkei in Nordsyrien. Nach Schätzungen des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen sind inzwischen mindestens 190.000 Menschen auf der Flucht. International wird die türkische Operation scharf kritisiert.

Kritik gibt es jetzt auch am Verhalten der türkischen Nationalmannschaft bei zwei EM-Qualifikationsspielen. Zuletzt haben einige türkische Spieler in der Partie gegen Frankreich am Sonntag einen militärischen Gruß gezeigt. Passiert ist das Ganze nach dem Ausgleichstreffer in der 81. Minute. Mit der Aktion sollten offenbar die türkischen Streitkräfte in Nordsyrien unterstützt werden.

Düsseldorfer Profis jubelten nicht

Doch nicht alle in der türkischen Nationalmannschaft wollten beim militärischen Gruß mitmachen. Die Nachrichtenagentur AP berichtet, dass sich der Düsseldorfer Bundesliga-Profi Kaan Ayhan sowie sein Teamkollege Kenan Karaman dem Jubel nicht angeschlossen haben.

Bild von Kaan Ayhan; Foto: imago images / Le Pictorium

Bundesliga-Profi Kaan Ayhan nach seinem Ausgleichstreffer für die Türkei im EM-Qualifikationsspiel gegen Frankreich.

imago images / Le Pictorium

Es soll sogar einen Disput zwischen Ayhan, der für den Ausgleichstreffer verantwortlich war, und Verteidiger Merih Demiral gegeben haben. Demiral habe den Torschützen dazu animiert, ebenfalls zu salutieren. Dieser soll aber seinen Weg zurück aufs Feld fortgesetzt haben, was Fotos aus dem Stadion belegen.

Fortuna Düsseldorf distanziert sich

Die UEFA hat bereits am Freitag angekündigt, ein Verfahren gegen den türkischen Fußballverband einzuleiten. Anlass war ein ähnlicher Gruß im Spiel gegen Albanien. Dort hatten die türkischen Profi-Spieler direkt nach dem Siegtreffer und später in der Kabine salutiert. Mitgemacht hatten auch die Bundesligaprofis Ayhan und Karaman.

Direkt danach hat der Sportvorstand von Fortuna Düsseldorf, Lutz Pfannenstiel, mit den beiden Spielern gesprochen. Sie sollen ihm versichert haben, dass es sich lediglich um Solidaritätsbekundungen für Soldaten und ihre Angehörigen gehandelt habe. „Wir sind davon überzeugt, dass ihnen nichts ferner lag, als ein politisches Statement abzugeben“, erklärte Pfannenstiel. Die Fortuna distanziere sich „in aller Deutlichkeit von jeglicher vermeintlich politisch motivierter Handlung, die gegen die Werte des Vereins verstößt“.

Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) teilte indes mit, Amateur-Kicker, die den Militärgruß nachahmen, vor das Sportgericht zu zitieren.

Kritik aus Italien

Auch in Italien ist die Aktion der türkischen Nationalmannschaft großes Thema. Der italienische Sportminister Vincenzo Spadafora hat einen Brief an die Uefa geschrieben. Darin fordert er, dass das nächste Champions-League-Finale nicht wie geplant in Istanbul, sondern an einem anderen Ort stattfinden soll.

In Italien steht vor allem Profispieler Hakan Calhanoglu vom AC Mailand in der Kritik: „Sie haben es wieder getan, aber in Paris und ins Gesicht Europas ist das – nach allem, was geschehen ist – schlimmer als eine Kriegserklärung“, schrieb die italienische Tagezeitung La Stampa.

UEFA berät über Strafen

Am Donnerstag will sich die Uefa mit dem Thema befassen. Möglich sind Sanktionen wie eine Ermahnung, Geldstrafen, Platzverweise oder sogar Punktabzüge. Ob dazu allerdings direkt eine Entscheidung fällt, ist fraglich.