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Kerstin Welter
Kerstin Welter; Foto: Kerstin Welter
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E-Zigaretten sollten einst den Abschied vom Rauchen erleichtern – sie sind im Lauf der Zeit aber immer mehr in die Kritik geraten. Eine neue US-Analyse hält fest: Was beim Vapen eingeatmet wird, kann dem Herz schaden.

Für die aktuelle Analyse haben sechs US-Forscher eine Reihe von Studien zur gesundheitlichen Wirkung des sogenannten Vaping ausgewertet und zusammengestellt. Das Ergebnis ist eine Warnung: Man wisse noch viel zu wenig über die Langzeitfolgen, um E-Zigaretten als sicherere Alternative zu herkömmlichen Zigaretten anzupreisen.

Viele Menschen glauben, dass diese Produkte sicher sind, aber es gibt mehr und mehr Gründe, sich über ihre Auswirkungen auf die Herzgesundheit Sorgen zu machen

Loren Wold, Ohio State University College of Medicine

Eingeatmeter Feinstaub kann das Herz-Kreislauf-Risiko erhöhen

Die in E-Zigaretten enthaltenen Liquide enthielten nicht nur harmlosen Wasserdampf, sondern Feinstaub, Metalle und Aromen, die Herz-Kreislauf-Probleme verursachen könnten, erklären die Wissenschaftler im Fachjournal „Cardiovascular Research“.

Dass die eingeatmeten Stoffe in den Blutkreislauf eintreten und schließlich direkt auf das Herz wirken, ist bekannt – das gelte für E-Zigaretten genauso wie für die klassischen Glimmstängel. Nikotin erhöhe etwa den Blutdruck und die Herzfrequenz, während Feinstaub zu Arterienverhärtungen, Entzündungen und oxidativem Stress führe, schreiben die Forscher.

US-Forscher: Darum können E-Zigaretten schädlich fürs Herz sein; Foto: imago images / Zuma Press

Die US-Gesundheitsbehörden zählen immer mehr Fälle von Atemwegserkrankungen, die wahrscheinlich mit der Verwendung von E-Zigaretten zusammenhängen. Mehrere Menschen sind in der Folge bereits gestorben.

imago images / Zuma Press

Jugendliche steigen vermehrt mit Vaping ein

Die Forscher betonen: Traditionelles Zigarettenrauchen sei der vermeidbarste Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und entsprechende Todesfälle. Viele Raucher würden sich mit E-Zigaretten sicherer fühlen, daher hätten sie darauf umgestellt.

Allerdings gebe es auch viele Neueinsteiger – und das seien vermehrt Jugendliche. Die hätten ohne E-Zigaretten möglicherweise nie mit dem Rauchen angefangen, heißt es in der Studie.

Mysteriöse Todesfälle durch Vaping

Zudem unterstreichen die Wissenschaftler, dass E-Zigaretten reguliert werden sollten: Unternehmen sollten ihren Kunden genau mitteilen müssen, welche Inhaltsstoffe diese einatmen.

E-Zigaretten werden in den USA nach mehreren Todesfällen besonders kritisch gesehen. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC leiden insgesamt mehr als 500 Menschen an Atemwegserkrankungen, die wahrscheinlich mit der Verwendung von E-Zigaretten zusammenhängen – acht Betroffene sind bereits gestorben.

Julia Nestlen aus der SWR-Wissenschaftsredaktion:

SWR3-Audio: Beitrag anhören; Foto: SWR3.de

USA: Zahl der Atemwegserkrankungen durch E-Zigaretten nimmt zu USA: Zahl der Atemwegserkrankungen durch E-Zigaretten nimmt zu

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Forschungsstand noch zu schwach für eindeutige Aussagen

Auch wenn die neue Analyse aus den USA nicht genauso auf Europa übertragbar ist – umstritten sind E-Zigaretten auch hier. Die US-Wissenschaftler betonen in ihren Ergebnissen, dass es vor allem noch an repräsentativen Langzeitstudien fehle.

Jedoch sei allein durch die Übersicht der Datenlage zum Thema klar geworden, dass auch das Rauchen von E-Zigaretten gut überlegt sein wolle: „Es ist ein zu großes Risiko, anzunehmen, dass man nicht abhängig wird und es keine negativen Konsequenzen gibt“.