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Christian Kreutzer
Christian Kreutzer, SWR3; Foto: SWR3
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Er saß in Putins Nähe und war Auge und Ohr der CIA. Jetzt ist der Mann im Washingtoner Exil. Laut US-Medien hatte der Geheimdienst Angst, Trump könnte ihn in seinem Überschwang enttarnt haben. Das Weiße Haus gibt sich empört.

Die CIA habe Oleg Smolenkow „jahrzehntelang“ herangezogen, berichten unter anderem CNN und New York Times. Jahrzehnte, in denen der Ministerialbeamte immer weiter aufstieg. So weit, dass er am Ende in der Nähe von Präsident Wladimir Putin saß und heimlich Dokumente auf dessen Schreibtisch abfotografieren konnte.

Smolenkow, der zuletzt Mitarbeiter von Putins wichtigstem außenpolitischen Berater Juri Uschakow war, soll derjenige gewesen sein, von dem der US-Auslandsgeheimdienst seinerzeit wusste, dass Putin die mutmaßliche Beeinflussung der letzten US-Wahl persönlich dirigiert habe, weil er Donald Trump zur Präsidentschaft verhelfen wollte.

Schwerer Rückschlag für die CIA

Schließlich aber sei es Trumps Schuld gewesen, so zitiert unter anderem die New York Times verschiedene Geheimdienstler, dass man den Spion zu seiner eigenen Sicherheit habe abziehen müssen und seitdem gegenüber dem Moskauer Kreml „blind und taub“ sei. Für die CIA sei das ein schwerer Rückschlag.

Die Entscheidung, den Mann in die USA zu holen, sei nämlich kurz nach einem Treffen von Trump mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow im Mai 2017 gefallen. Trump habe damals mit Lawrow geheime Unterlagen aus Israel über den „Islamischen Staat“ besprochen.

Angst wegen Trumps Indiskretionen

Putin; Foto: Reuters

In Putins Nähe: Spion Oleg Smolenkow soll es in Moskau weit gebracht haben.

Reuters

Beim Hamburger G20-Gipfel zwei Monate später konferierte Trump allein mit Putin, den er offenbar immer wieder zu beeindrucken versuchte. Aus all dem sei die Sorge entstanden, Trump könne auch andere, als geheim eingestufte Unterlagen erörtert haben, was den Top-Spion in Gefahr bringen könnte.

Doch die Sorge wurde noch konkreter: Gleichzeitig lief nämlich die Russland-Untersuchung von US-Sonderermittler Robert Mueller zur Beeinflussung der Wahl von 2016. Im Zuge dessen hätten Trump und sein Justizminister William Barr immer wieder gefordert „alles auf den Tisch zu legen“ – auch die Quellen der CIA. Dabei sei dann immer lauter über die CIA-Quelle im Moskauer Kreml spekuliert worden, von der der Geheimdienst seine Informationen hatte.

Flucht beim Familienurlaub

Das gefährde Menschenleben, warnten Geheimdienstler bereits seit damals. Man habe Smolenkow 2017 schließlich nahe legen müssen, sich von der CIA aus Russland retten zu lassen. Smolenkow habe wegen seiner Frau und den drei Kindern zunächst abgelehnt, weshalb die CIA schon Angst hatte, er sei umgedreht worden und arbeite jetzt als Doppelagent.

Wenige Wochen später jedoch, als Trumps Streit um die Wahlbeeinflussung immer weiter hochkochte, habe man dem Mann das Angebot erneut gemacht. Diesmal nahm er an: Während eines Montenegro-Urlaubs verschwanden die Smolenkows von der Bildfläche – und tauchten erst vor Kurzem in Washington wieder auf.

Droht ihm ein Schicksal wie Skripal?

Smolenkow sei nach wie vor in Lebensgefahr, sagen Experten mit Blick auf offensichtliche Mordanschläge. Beispielsweise die mutmaßliche Vergiftung des nach Großbritannien geflohenen Doppelagenten Sergej Skripal und seiner Tochter im vergangenen Jahr in Salisbury.

Das Weiße Haus ließ nun über eine Sprecherin ausrichten, die Berichte seien inkorrekt und behauptet nun seinerseits, sie hätten das „Potenzial, Menschen zu gefährden". Der Kreml spricht von „Schundliteratur“. Smolenkow sei in Wahrheit vor zwei bis drei Jahren entlassen worden.

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