US-Präsident Trump droht Nordkorea – wie üblich per Twitter. Wird es ernst?

Donald Trump legt im Streit mit Nordkorea noch einmal nach. Er droht dem Land jetzt direkt mit einer militärischen Lösung, sofern sich das Land „unklug“ verhalte. Das Ganze tut Trump, wie üblich, per Twitter.

Bisher sind es nur Drohungen, die die Staatschefs aus Nordkorea und den USA sich gegenseitig an den Kopf werfen. Aber sollten darauf auch Taten folgen, könnte es sogar zum Krieg kommen. Wir haben die Stufen der Eskalation zusammengefasst.

Juni 2016

Nordkorea gelingt nach fünf gescheiterten Tests der Abschuss einer Musudan-Rakete. Dieser Typ könnte mit einer Reichweite von rund 3.500 Kilometern US-Militärstützpunkte im Pazifik und in Japan erreichen. Nordkoreas Diktator Kim Jong Un feiert den ersten erfolgreichen Test als Beweis dafür, dass sein Land in der Lage wäre, die USA zu treffen.

Nordkorea; Foto: Quelle: Google Maps

Nordkorea, Südkorea und Japan

Quelle: Google Maps

September 2016

Nordkorea führt seinen fünften und bislang stärksten Atomwaffentest durch. Das Erdbeben, das durch die Sprengung entsteht, ist sogar in Deutschland messbar. Zuvor hatte das Land den USA und Südkorea gedroht. Der damalige US-Präsident Barack Obama kündigt „ernsthafte Konsequenzen“ an.

Oktober 2016

Raketentest; Foto: dpa/picture-alliance

Eine von Nordkorea abgefeuerte Rakete

dpa/picture-alliance

Während die Vereinten Nationen (UN) gerade neue Sanktionen gegen Nordkorea vorbereiten, testet das Militär von Machthaber Kim erneut eine Mittelstreckenrakete vom Typ Musudan. Der Test scheitert, die USA und Südkorea verurteilen ihn aber als absichtliche Provokation. Sie führe nur dazu, „die Entschlossenheit der internationalen Gemeinschaft zu verstärken, verbotenen Aktivitäten [Nordkoreas] entgegen zu wirken“, sagt ein Pentagonsprecher.

Januar 2017

Der neu ins Amt gewählte US-Präsident Donald Trump sagt, er sehe in den Raketentests Nordkoreas keine Gefahr für die USA. „Nordkorea hat gerade verkündet, die Endphase der Entwicklung einer Atomwaffe erreicht zu haben, die Teile der USA erreichen kann. Das wird nicht passieren!“, twittert er.

Februar 2017

Wieder testet Nordkorea eine Langstreckenrakete, diesmal einen neuen Typ. Laut Kim Jong Un soll sie in der Lage sein, einen atomaren Sprengstoff zu transportieren. China und die USA kündigen zum x-ten Mal an, die Sanktionen gegen Nordkorea zu verschärfen, die UN verurteilen den Test als „weitere besorgniserregende Verletzung der Resolutionen des Sicherheitsrats“.

Trump ist jetzt anscheinend nicht mehr so gelassen und schafft sich Verbündete. Japans Präsident Shinzo Abe besucht gerade die USA und findet Nordkoreas Raketentests nicht tolerierbar. Trump sagt, die USA stünden zu „100 Prozent“ hinter Japan.

Mai 2017

Drohungen über Drohungen: Nordkorea testet wieder eine Rakete (700 Kilometer in Richtung Japan), die USA drohen mit schärferen Sanktionen und Japan fühlt sich bedroht. Das Land appelliert an die UN, die Sanktionen gegen Nordkorea besser umzusetzen.

Die UN kommen dann auch zu einer dringlichen Sitzung zusammen – neue Sanktionen werden vorerst aber nicht verhängt. Nur vier Tage nach diesem Beschluss feuert Nordkorea wieder eine Rakete ab.

Juni 2017

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen weitet seine Sanktionen jetzt lieber doch aus. Die Vermögen nordkoreanischer Staatsunternehmen und Einzelpersonen sollen eingefroren werden, außerdem werden Reiseverbote ausgesprochen.

Nordkorea antwortet prompt – mit weiteren Raketenabschüssen.

Juli 2017

Nach eigenen Angaben testet Nordkorea zum ersten Mal eine Langstreckenrakete. Sie soll 2.800 Meter hoch und 900 Kilometer weit geflogen sein – weiter als alle anderen Raketen zuvor.

Die USA drohen jetzt erstmals mit militärischer Gewalt. Die Chancen auf eine diplomatische Lösung des Konflikts würden immer geringer, sagt die US-amerikanische UN-Botschafterin Nikki Haley.

Ende des Monats feuern Streitkräfte der USA und Südkoreas Kurzstreckenraketen vor der südkoreanischen Küste ins Meer.

August 2017

US-Präsident Donald Trump hat seine Warnung an Nordkorea noch einmal verschärft. „Vielleicht war das Statement nicht hart genug. Die haben uns schon seit Jahren so behandelt“, so Trump. Die Regierung in Pjöngjang solle sehr, sehr nervös sein, wenn sie über einen Angriff auf die USA oder ihre Verbündeten auch nur nachdenke. Sollte das Land tatsächlich die US-Insel Guam attackieren, würde die Reaktion ein ungeahntes Ausmaß haben.

Bereits am Mittwoch hatte Trump auf neuerliche Drohungen aus Nordkorea reagiert. Pjöngjang hatte verlauten lassen, man sei auf dem Weg zur Atommacht weitergekommen. Trump sagte daraufhin, er werde dem „Feuer, Wut und Macht“ entgegensetzen.

Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un nannte Trumps Äußerung „vollkommenen Unsinn“. „Sachlicher Dialog ist mit so einem Typen bar jeder Vernunft nicht möglich, nur mit absoluter Stärke ist ihm beizukommen“, hieß es in einer Erklärung der nordkoreanischen Streitkräfte.

Die Insel Guam im Südpazifik; Foto: dpa/picture-alliance

Die Insel Guam im Südpazifik ist durch die strategisch wichtige Andersen Air Force Base bekannt geworden, die sich dort befindet.

dpa/picture-alliance

Schlimmer als dieser verbale Krieg ist aber Nordkoreas Drohung, die Gewässer um das US-Außengebiet auf Guam anzugreifen. Nach eigenen Angaben habe das Land die Pläne dazu weitgehend fertiggestellt. Guam solle in „ein historisches Feuer gehüllt werden“.

Die USA ihrerseits verurteilen Nordkoreas Provokationen und sagen, das Land liefere seine eigene Bevölkerung dem Verderben aus. US-Verteidigungsminister James Mattis warnte Pjöngjang, vor allen „Aktivitäten, die zum Ende des Regimes und zur Vernichtung seines Volkes führen würden“.

Die Vorgeschichte

Korea gehörte bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs zum Japanischen Kaiserreich. Nach der Kapitulation Japans besetzten die Rote Armee den Norden des Landes, US-Truppen den Süden. 1948 entstanden aus den beiden Besatzungszonen Nord- und Südkorea. Beide Staaten erkannten sich zunächst gegenseitig nicht an.

Koreakrieg

Nach Abzug beider Besatzungsmächte folgte der Koreakrieg von 1950 bis 1953. Südkorea wurde von den USA und UN-Truppen unterstützt, Nordkorea bekam Hilfe aus China. Drei Millionen Zivillisten kamen ums Leben.

Isolation

Nach dem Krieg blieb die Teilung Koreas nahezu unverändert bestehen. Nordkorea wurde zunehmend international isoliert. In den 1960-er Jahren kam es zwischenzeitlich zum Bruch Nordkoreas mit Moskau sowie Gefechten an der Grenzlinie zwischen Nord- und Südkorea.

Entspannung

In den 2000-er Jahren entspannte sich die Lage. Reisen von Südkoreanern nach Nordkorea waren möglich. 2008 schloss Nordkorea wieder die Grenze.

Drohungen und Atomtests

2013, nachdem die UN neue Sanktionen gegen Nordkorea verhängt hatten, kündigte Nordkorea neue Atomtests an und schickte Drohungen in Richtung Südkorea und Washington. Die USA kündigten die Stationierung weiterer Raketenabwehrsystem auf Guam und anderen Pazifikinseln an.