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Hans Liedtke
Hans Liedtke, SWR3; Foto: SWR3
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Sarg, Urne oder Kompost? Für die besonders Naturverbundenen hat der US-Bundesstaat Washington das Kompostieren von Leichen erlaubt. Möglicherweise muss man sich dann einige Fragen der Nachbarn gefallen lassen.

Im Bundesstaat Washington im Nordwesten der USA haben Angehörige bei Todesfällen künftig eine Alternative zur Beisetzung im Sarg und zur Einäscherung. Der Gouverneur von Washington, der demokratische Politiker Jay Inslee, unterzeichnete ein Gesetz, das das Kompostieren von Leichnamen erlaubt.

Kompostieren sei umweltfreundlicher und kostengünstiger, sagte Inslee in Olympia, der Hauptstadt von Washington.

Ein Kubikmeter Erde pro Leiche

Der Senat und das Repräsentantenhaus des Bundesstaates hatten zuvor mit großen Mehrheiten für das Gesetz gestimmt. Es tritt im Mai 2020 in Kraft.

Das gemeinnützige Unternehmen Recompose hat in Seattle in Washington die erste Kompostierungseinrichtung entwickelt. In einem Gebäude für Bestattungszeremonien werden Leichname in pflanzlichem Material wie Stroh und Holzspänen in Behältern abgelagert. Unter Sauerstoffzufuhr entstehen beim Kompostieren Temperaturen von etwa 50 bis 70 Grad Celsius.

Sobald die Kompostierung einsetzt, werden die menschlichen Überreste binnen weniger Wochen mithilfe von Mikroben abgebaut. Übrig bleibt pro Leichnam etwa ein Kubikmeter Erde. Angehörige können den Boden mitnehmen oder in einem Naturpark verstreuen lassen. Beinahe drei Millionen Menschen sterben jedes Jahr in den USA.