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Kerstin Welter
Kerstin Welter; Foto: Kerstin Welter
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„Menschlichkeit verbindet“ – zu diesem Slogan hat die Stadt Ulm ein neues Imagevideo herausgebracht. Und wird es nicht ändern. Obwohl nach 36 Sekunden ein Nazi-Symbol groß im Bild auftaucht.

Die Szene des Anstoßes läuft innerhalb der ersten Minute des insgesamt über drei Minuten langen Videos. Die Stadt hat es vergangene Woche auf ihrem Youtube Channel hochgeladen und damit eine heftige Diskussion losgetreten. Dennoch steht die Stadt zu dem Film und der künstlerischen Umsetzung.

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Das Video bei YouTube ansehen.

Nazi-Symbol im Nacken

Im Film geht einer der Protagonisten einen Gang entlang. In der Nahaufnahme ist ein Tattoo zu erkennen. In der ersten Sekunde nur kurz unter dem Hemdkragen, nach 36 Sekunden voll sichtbar. Das Motiv: eine sogenannte Schwarze Sonne, die aussieht wie mehrere übereinander gelegte Hakenkreuze. Das Motiv ist zwar nicht verboten, gilt aber als Ersatz-Symbol für ein Hakenkreuz. Sympathisiert Ulm mit Rechtsextremen? Das fragten sich offenbar viele, die den Clip gesehen haben.

User sind verständnislos oder empört

„Ein Skandal“, „Unfassbar, dieser Film“ oder „Das Gegenteil von gut ist gut gemeint“ – das sind einige der Reaktionen von Usern bei YouTube. Und es werden immer mehr. Die Stadt hat in den Kommentaren darauf reagiert und das Video verteidigt.

Die Stadt Ulm bedauert, dass dieser Eindruck bei einigen Betrachtern des Filmes entstanden ist, weist diese Unterstellungen aber gleichzeitig mit Hinweis auf ihre dauerhaften Bemühungen im Kampf gegen demokratiefeindliche Tendenzen und für ein respektvolles Miteinander aller in Ulm lebenden Menschen entschieden zurück.

Das Tattoo des Protagonisten sei bewusst eingesetzt worden, um einen künstlerischen Spannungsbogen zu schaffen, hieß es. Der Umdenkprozess eines Mannes mit rechtsradikalem Hintergrund sei die Kernaussage der Szenen mit ihm. So zu tun, als gäbe es diese Menschen nicht, sei falsch, hieß es – im Gegenteil solle der Film Hoffnung machen, dass sich im zwischenmenschlichen Kontakt Einstellungen ändern können.

Autor hätte sich anderen Titel gewünscht

Der Autor des Films, Hasam Sidou Abulkader, ist nicht überrascht von der Kritik, schließlich ist die Nazi-Szene bewusst konzipiert worden. Aber er findet den letztlich gesetzten Titel des Films missverständlich. „Vielfalt und Rassismus schließen sich aus“, sagte er im Interview mit dem SWR.

Ulms Ältestenrat forderte erst Löschung, jetzt aber doch nicht

Der Ältestenrat der Stadt hatte nach der Kritikwelle eine Überarbeitung des Clips beschlossen. Es hieß, es gebe bereits ein Konzept für die Umgestaltung. Diese Entscheidung wurde aber nochmal überdacht. Die Stadt teilte in einer Pressemitteilung mit, man bedauere die entstandenen Irritationen und Missverständnisse und hat angekündigt, in den Dialog mit den Kritikern gehen. Anfang Dezember soll es eine öffentliche Diskussionsrunde zum Video geben.

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Kerstin Welter
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Nils Dampz
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SWR3