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Ein Mikroalgenreaktor vom Institut für Raumfahrtsysteme soll Weltraumnahrung, Sauerstoff, Wasser und elektrische Energie aus Luft erzeugen. Er wird ab nächster Woche als mögliches Lebenserhaltungssystem für zukünftige Langzeitmissionen auf der Raumstation ISS getestet.

Chlorella vulgaris heißt die kleine Alge, mit deren Hilfe Forscher Nahrung und Sauerstoff für Raumfahrer auf längeren Missionen in einem „Photobio-Reaktor“ herstellen wollen.

Nahrung aus nichts als alter Luft?

An sich ist der in dem Reaktor vorgehende Prozess uns sehr gut bekannt: Sauerstoff und Biomasse (= Nahrung) werden durch Photosynthese, also mit der Kraft des Lichts, erzeugt. Bisherige Systeme haben laut der Universität Stuttgart „physikochemische“ Prozesse genutzt, also chemische Reaktionen, um das Problem zu lösen. Sie ermöglichen derzeit die Wiedergewinnung von Wasser, von Sauerstoff allerdings nur teilweise.

ISS zwei Raumfahrer experimentieren; Foto: dpa/picture-alliance
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Der neue Ansatz soll die vorhandenen Systeme weiter vervollständigen, indem er den Kohlenstoff-Kreislauf schließt und verbrauchten Sauerstoff regeneriert. Eine erfolgreiche Umsetzung dieses Prinzips würde die Weltraumstation dem Ideal eines selbsterholenden Systems, wie wir es von der Erde kennen, näher bringen. Es soll nun in einer 180-tägigen Testphase in der Schwerelosigkeit auf der ISS erprobt werden.

Unabhängigkeit von Nachschubtransporten

Sollte das Experiment gelingen, würde es weitere Hinweise liefern, wie Raumfahrer auf Langzeitmissionen unabhängig von Nachschubtransporten ernährt werden könnten. Auch könnte man mit Hilfe von Brennstoffzellen elektrische Energie und Wasser erzeugen. Da mit steigender Missionsdauer beispielsweise der Bedarf an Hygienewasser unweigerlich steigt, würde das eine weitere Masseneinsparung bedeuten.

Am 30. April startet der Reaktor zur ISS

Das Experiment unter der Leitung von Stefanos Fasoulas und Reinhold Ewald vom Institut für Raumfahrtsysteme der Universität Stuttgart soll am Dienstag beginnen, wenn der Reaktor in Richtung ISS startet. Die beiden Professoren laden Interessierte sogar zur Auftaktveranstaltung des Experimentes ein.

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Autor
SWR3