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Kira Urschinger
Kira Urschinger; Foto: SWR3 / Nadine Luft
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Es ist widerlich, keine Frage: Einer Frau ungefragt unter den Rock zu fotografieren, geht gar nicht. Bislang ist es aber in Deutschland nicht ausdrücklich verboten. Braucht es dafür ein Gesetz?

In Frankreich ist es bereits verboten, in Belgien ebenfalls und auch in Großbritannien wird aktuell über ein Gesetz diskutiert, das Frauen davor schützen soll, dass ihnen jemand ungefragt unter den Rock fotografiert. Das Gesetz in Großbritannien sieht beispielsweise eine Strafe mit bis zu zwei Jahren Gefängnis für das Anfertigen voyeuristischer Bilder vor. Upskirting ist der Ausdruck, der sich durchgesetzt hat – für dieses Fotografieren ohne Einwilligung oder gar Wissen des Opfers.

Upskirting: Keine Gesetze in Deutschland

In Deutschland sieht die Politik offenbar bislang keinen Handlungsbedarf. Upskirting steht nicht unter Strafe, es handelt sich lediglich um eine Ordnungswidrigkeit, für die ein Bußgeld festgelegt ist. „Man wird ja nicht angefasst, deshalb ist es kein sexueller Übergriff. Und es gibt zwar ein Gesetz zu illegalen Bildaufnahmen, aber das hat eine entscheidende Lücke“, so SWR-Redakteurin Jenny Beyen, die sich mit sich mit dem Thema weitergehend beschäftigt und mit Rechtsanwälten gesprochen hat.

Die Weiterverbreitung von solchen Fotos ist zwar über § 201a StGB [Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen] abgedeckt, was aber nicht davon erfasst wird, ist die Anfertigung der Bilder.

Christian Solmecke, Rechtsanwalt

Sebastian Müller; Foto: SWR3

SWR3-Popup mit Sebastian Müller Upskirting – Was ist das und braucht es ein Gesetz?

Dauer

Ist Upskirting wirklich ein Problem?

Als in Großbritannien die Diskussionen begannen, das Fotografieren unter den Rock einer Frau in einem Gesetz zu verbieten, haben wir mit euch auf unserer Facebook-Seite darüber diskutiert. Einige User kannten das Phänomen des Upskirtings (glücklicherweise) gar nicht.

Das Phänomen ist den meisten gar nicht bekannt, aber trotzdem brauchen wir unbedingt ein Gesetz?

Fabian Stoffers auf Facebook

Ist das also in Deutschland gar kein Problem? Offenbar schon, denn es gibt durchaus vereinzelte Erfahrungsberichte.

Mir ist es am Oktoberfest passiert. Dafür hat er ne schallende Ohrfeige bekommen, dass ihm wahrscheinlich die nächsten Tage noch ein Klingeln im Kopf verursacht hat. Im Nachhinein hab ich ja trotzdem lachen müssen... Hab extra den 'heißen' hautfarbenen Miederslip angehabt.

Just Sam auf Facebook


Auch Redakteurin Jenny Beyen ist vorsichtig bei der Einschätzung, wie weitverbreitet denn das Fotografieren unter den Rock bei uns sein könnte. Das Problem: Die meisten Frauen merken es ja nicht, wenn es passiert. „Wenn man an der Kasse im Supermarkt steht und dann greift jemand unten nach den Tüten und macht dabei schnell ein Foto – das würde ich gar nicht mitkriegen.“ Mit der heutigen Smartphone-Technik gelingen Upskirting-Versuche nahezu unbemerkt und mit geringem Aufwand. Im Internet gibt es die Anleitungen dazu. Mit Bildmaterial. Teilweise explizit: aus Deutschland. „Das heißt, dass es definitiv passiert, auch in Deutschland – denn irgendwo kommt dieses Bildmaterial ja her.“

Warum gibt es kein passendes Gesetz in Deutschland?

Unsere Redakteurin sagt nach ihren Recherchen: Upskriting steht rechtlich auf einer Stufe mit Falschparken, solange es nur eine Ordnungswidrigkeit ist. Allein das ist vielleicht zu wenig abschreckend für potentielle Täter. Bisher fehlt aber auch der öffentliche Aufschrei, das starke Bedürfnis nach strengeren Gesetzen. Das könnte daran liegen, dass viele Frauen nicht merken, wenn sie fotografiert werden und sich so der Verbreitung solcher Fotos gar nicht bewusst sind. Oder auch daran, dass viele Frauen denken, dass es bereits ein Gesetz gibt, das Upskirting abdecken und unter Strafe stellen müsste. Bei einer nichtrepräsentativen Straßenumfrage hat Jenny Beyen diesen Eindruck jedenfalls bestätigt bekommen: Viele Frauen, mit denen sie gesprochen hat, dachten, dass das nach der #metoo-Debatte doch sicher bereits im Gesetz verankert ist.

Kein Aufschrei, kein Gesetz


Um in Deutschland ein Gesetz durchzubringen, müsste es vielleicht einen ähnlichen Verlauf geben wie in Großbritannien. Denn auch hier gab es lange kein Gesetz, bis die junge Britin Gina Martin vor rund einem Jahr Opfer von Upskirting auf einem Festival wurde. Zwei Männer fotografierten ihr unter den Rock, sie stritten um die Bilder auf dem Handy, bis die Polizei dazu kam. Die konnte nicht helfen, denn Upskirting stand bis dahin eben nicht unter Strafe. Solange die abgebildete Frau Unterwäsche trägt und nicht völlig nackt auf den Bildern zu sehen ist und die Bilder noch nicht weiterverbreitet wurden – keine strafrechtliche Handhabe.

Gina Martin startete eine Online-Kampagne und hat damit dafür gesorgt, dass das britische Parlament nun über ein entsprechendes Gesetz debattiert, das noch dieses Jahr in Kraft treten soll.

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