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Svenja Maria Hirt
Svenja Maria Hirt, SWR3; Foto: SWR3/Alexander Winkler
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Kann ich mein Stadion-Ticket zurückgeben? Bekomme ich mein Bahnticket erstattet? Und wer zahlt für meine ausgefallene Reise in ein Corona-Gebiet?

Ob Biathlon oder Skispringen - das alles hat wegen des möglichen Ausbreitung des Corona-Virus in den vergangenen Tagen ohne Zuschauer stattgefunden. Jetzt trifft es auch den Fußball. Es sind erste „Geisterspiele“ angekündigt. Viele rechnen auch damit, dass jetzt große Konzerte wegen des Corona-Virus abgesagt werden.


Bekomme ich mein Konzert- oder Fußball-Ticket erstattet, wenn die Veranstaltung abgesagt wird?

Wenn eine Messe, ein Konzert oder auch ein Fußballspiel abgesagt wird, dann hat man als Verbraucher ein Recht den vollen Ticketpreis zurück zu bekommen. Das sagte der SWR3 Reiserecht-Experte Kay Rodegra. Schon schwieriger wird es grundsätzlich bei Tickets, die die Übernachtung oder Anreise betreffen. Das Hotel oder auch die „Beförderungsleistungen mittels Flug oder Bahn wird ja erbracht“ - der Zug fährt auch, wenn man selbst nicht in ihm sitzt. Das bedeutet, dass das Hotel, die Bahn oder das Flugunternehmen auch Storno-Gebühren verlangen darf, sagt der Experte.

Die Bahn schreibt allerdings, dass Kunden, die ihre Reise nicht mehr antreten möchten, ihren Fahrschein kostenfrei erstattet bekommen. Das gilt mittlerweile auch für Bahnfahrten, bei denen der Grund der Zugfahrt wegen des Coronavirus ausfällt. Zum Beispiel wenn eine Messe offiziell abgesagt wird, aber auch Konzerte oder Sport-Events.


Kann ich eine Buchung stornieren, wenn das gebuchte Hotel in einem Risiko-Gebiet liegt?

Die bloße Sorge in ein Risikogebiet zu fahren, sagt Reiserecht-Experte Kay Rodegra, rechtfertigt es nicht, kostenfrei vom Vertrag zurückzutreten. Wenn man aber eine Pauschalreise gebucht hat und es kommt zu unvermeidbaren, außergewöhnlichen Umständen, also zu einer echten Gefahrenlage, dann kann man kostenfrei zurücktreten. Eine solche Gefahrenlage besteht offiziell allerdings erst bei einer Reisewarnung des Auswärtigen Amts oder der Weltgesundheitsorganisation.


Wer bezahlt das Ticket, wenn ein Bundesliga-Spiel ausfällt?

Die Chancen, das Geld für dieses Ticket zurück zu bekommen, sind sehr gut. Es gelten in diesen Fällen die Regelungen des Bürgerlichen Gesetzbuchs. So wie es auch der Fall wäre, wenn ein Konzert oder eine sonstige Veranstaltung aus „normalen“ Gründen ausfällt. Im Grundsatz kann man vereinfacht sagen: Wer eine Leistung (also etwa eine Veranstaltung) erst angeboten hat, dann aber nicht „liefern“ kann, etwa weil das unmöglich ist, hat auch keinen Anspruch auf Bezahlung. Das gilt auch dann, wenn den Veranstalter kein Verschulden trifft.

Etwas komplizierter ist es bei Dauerkarten. Die haben ja schon eine Karte für alle Heimspiele gekauft, von denen die meisten auch schon stattgefunden haben. Wenn aber in Folge einer behördlichen Anordnung weitere Spiele ausfallen, dann ist die Dauerkarte „unterm Strich“ weniger wert. Ob dieser Wertverlust zurückverlangt werden kann, hängt von den Einzelheiten des Falles ab. Auch darauf, was genau vertraglich vereinbart ist.


Wie dramatisch ist das neuartige Corona-Virus wirklich?

Peter Kremsner ist Infektiologe an der Uniklinik Tübingen. In der SWR3-Nachmittagsshow mit Marcus Barsch hat er Fragen der SWR3-Hörer beantwortet. Das ganze Gespräch kannst du hier nachhören:

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Highlights anhören Infektiologe Peter Kremsner im Interview bei Marcus Barsch

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Hier findest du eine aktuelle Karte der gemeldeten Corona-Infektionen

13 Antworten zur medizinischen Lage vom Infektiologen

1. Ist die Lage tatsächlich so schlimm – wie viel ist Panikmache?

Kremsner: Panikmache ist vielleicht übertrieben – aber die Lage ist interessant. Wir haben eine neue Infektionskrankheit und es ist grundsätzlich so, dass alles was neu ist, auch bedrohlich wirkt. Vielleicht auch bedrohlicher, als es wirklich ist. Jetzt sind wir dabei einzuschätzen, wie die Lage nun tatsächlich ist. Für China können wir schon viel sagen – da wissen wir aber auch nicht, ob wir alle Informationen bekommen. In Europa ist es so, dass wir wahrscheinlich sehr viel wissen – aber da beginnt es erst. Insgesamt würde ich sagen, muss man keine Panikstimmung verbreiten. Es ist etwas, was von der Erkrankung her ähnlich wie die Grippe ist und vor der haben wir eigentlich auch keine Angst.“

2. Wie steckt man sich an?

Kremsner: Man steckt sich hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion an, also ähnlich wie bei Schnupfenviren oder Grippeviren, wenn man angeniest wird oder jemanden die Hand schüttelt, der gerade in der Nase gebohrt hat.

3. Reicht ein einfacher Kontakt, wie die Haltestange in der Bahn?

Kremsner: Grundsätzlich ist das nicht auszuschließen, dass man sich so mit Viren ansteckt. Dafür muss aber ein gerade akut Infizierter seine Viren dort abgeladen haben. Und wenn man dort dann hingreift und sich danach unbewusst an Mund, Nase oder andere Körperöffnungen fasst, dann kann man das schon bekommen.

Grippewelle; Foto: ladysuzi / Fotolia.com

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4. Sollten größere Menschenansammlungen gemieden werden?

Kremsner: Wenn man sich sehr schützen will – und das gilt für Leute, die über 80 Jahre oder immungeschwächt sind – dann ist es so wie in der Grippesaison, dass empfohlen wird, sich nicht direkt ins Getümmel zu stürzen. Als normaler Mensch würde ich das aber nicht machen.

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5. Wie gefährlich ist das Coronavirus für gesunde Leute?

Kremsner: Die Infektion mit dem neuen Virus ist bei einem normal gesunden unter-40-oder- 50-Jährigen sehr vergleichbar mit der Infektion eines Grippevirus.

6. Bei welchen Vorerkrankungen ist das Risiko einer Ansteckung höher?

Kremsner: Soweit wir das wissen, ist es ähnlich wie bei der Grippe: Wer zuckerkrank ist, wenn das Herz nicht mehr gut tut, man übergewichtig oder sehr alt ist, dann ist man viel mehr gefährdet, schwer zu erkranken – und kann auch daran sterben.

7. Wenn ich noch jung bin – muss ich Angst haben, das Virus zu bekommen?

Kremsner: Bekommen können es auch junge Menschen, man muss aber gar keine Angst davor haben.

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8. Ist eine Impfung gegen Lungenentzündung hilfreich?

Kremsner: Eine Impfung gegen Pneumokokken oder die Grippe zu machen, ist auf jeden Fall gut. Beides kann dann in dem Sinne schützen, dass Co-Infektionen mit beiden Viren den Zustand noch verschlimmern würden.

9. Gibt es eine erhöhte Gefahr für Schwangere?

Kremsner: Das können wir noch nicht richtig sagen.

10. Kann das Virus auch für Kinder und Babys tödlich enden?

Kremsner: Es sieht aktuell so aus, dass es gerade für Kinder (bis Erwachsene im Alter von 30 bis 40) sehr mild ausgeht – und Kinder allgemein kaum betroffen sind.

11. Welche Symptome treten auf?

Kremsner: Die Symptome sind nicht unterscheidbar zu anderen Infektionskrankheiten, wie die Grippe. Man ist abgeschlagen, hat Kopfweh, man hat Gliederschmerzen. Wenn ein schwerer Verlauf eintritt, meistens nur bei älteren Menschen, dann kann auch noch eine Lungenentzündung dazu kommen, die tödlich sein kann.

Hier findest du mehr Infos zu den Symptomen bei Corona.

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